Wir arbeiten in Sicherheit

Schon in den ältesten überlieferten Ritualen findet sich die Frage: „was ist die erste Pflicht eines Br... FM vor Eröffnung der L?“ Die Antwort lautet meist so ähnlich wie: „zu sehen, dass die L gehörig gedeckt ist.“ Auch in unserem Ritual melden daher TH und 2.A dem MvSt, „die L ist nach außen gehörig gedeckt, wir arbeiten in Sicherheit.“ Die erste Pflicht eines FM, die Sorge um die äußere Deckung erinnert uns daran, dass unsere Brr... Werkmaurer genauso wie unsere Gründungsväter im Grunde in allgemein zugänglichen Räumlichkeiten arbeiteten, die einen in der Dombauhütte neben dem unfertigen Bauwerk, die anderen im Hinterzimmer eines Gasthauses.

Diese Situation des Arbeitens in einem im Grunde genommen ungeschützten Raum ist uns heute fremd. Wir arbeiten in unserem Logenhaus in der Rauhensteingasse. Der Zugang zu unserem Logenhaus ist durch ein schmiedeeisernes Tor versperrt, die Chipkarte hat das Passwort ersetzt, wir kennen die besuchenden Brr.... Und dennoch legen wir auf Sicherheit immer größeren Wert. Als ich 1990 aufgenommen wurde, wurde, war da nur das Gittertor ohne Glas und keine weitere Tür zu Atrium. Jetzt ist nicht nur das ‚Gittertor verglast, es gibt eine blickdichte Tür zum Atrium und die Stiegenaufgänge zu den Stockwerken mit den Tempeln können mit Gittertoren verschlossen werden. Wir achten darauf unter uns zu bleiben, unsere Sicherheit ist uns offensichtlich sehr viel wert.

Für mich bedeutet dieser Satz des Rituals, wir arbeiten in Sicherheit, sehr viel mehr als diese physische Gewissheit, dass kein Mensch, der unserem Bund nicht angehört oder unserem Tun nicht wohl gesonnen ist, diese Räumlichkeiten betreten kann. In Sicherheit arbeiten heißt zunächst einmal, eingetreten zu sein in den Sicherheit spendenden Kreis von Freunden, Brüdern, die mich in brüderlicher Liebe und liebevoller Toleranz so auf- und annehmen, wie ich bin, die mir den Raum geben, ich selbst zu sein. Ich muss mich nicht verstellen oder muss etwas beweisen, denn ich weiß, ich bin unter Brr..., die sich mit mir freuen, die meine sorgen und meine Trauer mit mir tragen und die mir auch die Chance geben, mich selbst zu erproben.

In der L... empfängt den Br..., der aus der Unrast des profanen Lebens zur Arbeit kommt, Ruhe und weihevolle Stimmung, „wir arbeiten in Sicherheit“. Durch Anlegen unseres Werkzeugs, Schurz und Bijou, legen wir unsere profanen Wünsche, Begierden und Verhaftungen ab. Profaner Rang, weltliche Ambition, berufliche Anliegen und Beziehungen bleiben draußen. So können wir eine Welt schaffen, in der wir Brr... einander auf der Ebene der Wasserwaage begegnen.

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