Die gesamte Lehre der (Johannis)freimaurerei ist in drei Grade, gegliedert, die Grade des Lehrlings, Gesellen und Meisters. Je nach Tradition werden diese als Johannisfreimaurerei, Blaue Freimaurerei, symbolische Grade oder Craft Masonry bezeichnet. Gemeinsames Ziel dieser Grade ist die Arbeit an sich selbst mit Hilfe des Rituals, um zum vollkommenen Baustein im Tempel der Allgemeinen Menschenliebe, dem Tempel der Humanität, zu werden.
Alle regulären Systeme stimmen darin überein, dass in diesen drei Graden die vollständige Lehre der Freimaurerei enthalten ist und die Lehrinhalte sowie die maurerische Unterweisung mit dem Meistergrad ihren Abschluss finden. So heißt es zum Beispiel im Internationalem Freimaurerlexikon von Lennhoff-Posner 1932[1]:
…, dass der Lehrinhalt der Freimaurerei in den drei symbolischen Graden vollkommen enthalten ist, wird überall zugestanden.
Diese Position findet sich auch im Text des Aufnahmerituals des York-Rite in Österreich:
Wir Maurer vom Königlichen Bogen sind der Ansicht, dass sich die Freimaurerei in den drei Graden (der blauen Freimaurerei) voll ausdrückt: dem Grad des Lehrlings, des Gesellen und dem höchsten maurerischen Grad, dem des Meisters. Alle anderen Grade (also die der roten Freimaurerei) sind Nebengrade, Vervollkommnungsgrade der Königlichen Kunst[2]
Es existieren jedoch Aussagen, die eine gewisse Ambivalenz erkennen lassen. So erklärt das Book of Constitutions der United Grand Lodge of England im Kontext der Vereinigungsakte vom Dezember 1813,
… dass die reine Alte Maurerei aus drei Graden und nicht mehr besteht, nämlich aus denen des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters, einschließlich des höchsten Ordens des Holy Royal Arch.[3]
Diese Einbeziehung des Holy Royal Arch als Bestandteil der reinen Alten Maurerei markiert eine bemerkenswerte Erweiterung des 3-Grad-Systems.
In der freimaurerischen Literatur finden wir verschiedene Akzentsetzungen. Lennhoff-Posner begründen in ihrem Internationalen Freimaurerlexikon von 1932 die Existenz der Hochgrade mit der Notwendigkeit nach Weiterleitung besonders Beflissener [Freimaurer] in die Hochgrade und philosophischer Vertiefung.[4]
Im Internationalen Freimaurerlexikon von Lennhoff-Posner-Binder aus 2006 findet sich folgender Satz:
Die höheren Grade bilden (insofern) eine Fortsetzung des Johannisgrade…[5]
Albert Pike[6] (29.12.1809 – 02.04.1891, Großkommandeur des AASR der Southern Jurisdiction[7], Reformator und
Begründer des modernen AASR) formuliert in seinem Werk, Morals and Dogma eine deutliche Hierarchisierung:
Die blauen Grade sind nichts anderes als der äußere Vorhof des Tempels.[8]
Noch deutlicher äußert sich Edouard Quartier-la-Tente[9], 12. Großmeister der GL Alpina der Schweiz, 1900 bis 1905 (geboren 17.12.1855, gestorben 19.01.1925)
Die Symbolischen Grade seien [sind] die Elementarschule, die Hochgrade die Hochschule der Freimaurerei.[10]
Diese Aussagen verdeutlichen, dass die Frage nach dem Verhältnis zwischen der Johannisfreimaurerei und den Hochgraden keineswegs einheitlich beantwortet wird. Während die meisten Autoren die Johannisgrade als abgeschlossen und ihre Lehre als vollständig ansehen, betonen andere Autoren die Notwendigkeit oder zumindest den Mehrwert einer masonischen Vertiefung. Ein vehementer Verfechter der ausschließlichen Blauen Freimaurerei, 3-Grad-Freimaurerei, war Friedrich Ludwig Schröder. Einer seiner Kernsätze lautete: Mit dem Meister schließt sich der Kreis[11].
Unter dem Begriff Hochgrade werden jene Grade bzw. Gradsysteme verstanden, die auf dem dreistufigen Lehrgebäude der Johannisfreimaurerei – Lehrling, Geselle, Meister – aufbauen und dieses erweitern. Diese weiterführenden Erkenntnisgrade oder Erkenntnisstufen werden in der freimaurerischen Literatur und Praxis auch als grüne, schwarze, weiße, violette oder rote Freimaurerei bezeichnet. Die Farbzuordnungen beziehen sich auf die in den jeweiligen Systemen verwendeten rituellen Ausstattungen, insbesondere auf die Gestaltung der Tempelräume sowie auf Insignien, Bänder, Schärpen und Schurze.[12]
Allen Hochgradsystemen ist gemeinsam, dass sie den Besitz des Meistergrads als zwingende Voraussetzung für die Aufnahme in ein Hochgradsystem verlangen. Die Hochgrade bilden damit kein alternatives, sondern ein konsekutives Lehrgebäude, das auf den symbolischen Graden aufbaut.
In der zeitgenössischen freimaurerischen Terminologie wird der Begriff Hochgrad zunehmend durch neutralere Bezeichnungen ersetzt. Häufig finden wir die Begriffe Seitengrade, Nebengrade, Ergänzungsgrade oder Vertiefungsgrade, die den Anspruch einer nicht-hierarchischen, sondern komplementären Erweiterung der Johannisgrade betonen.[13] Im angloamerikanischen Raum – insbesondere im Verständnis der United Grand Lodge of England (UGLoE) – werden diese Systeme als Appendant Bodies, Concordant Bodies, Additional Degrees oder Side Degrees klassifiziert.[14]. Aus Gründen der begrifflichen Klarheit und terminologischen Kontinuität werde ich im Folgenden dennoch den etablierten Ausdruck Hochgrad verwenden.
Hochgradsysteme sind beinahe so alt wie die moderne Freimaurerei selbst. Bereits ab dem Beginn der 1740-er Jahre (angeregt durch den Discourt de Ramsey, 1736[15]) entsteht eine rasch anwachsende und kaum überschaubare Vielzahl unterschiedlicher Hochgradsysteme.[16] Manche Freimaurer fühlten sich geradezu dazu berufen, ihre eigenen Systeme mit vielen Gradstufen zu entwickeln.[17] Unter diesen Systemen sind solche,
… die sich bis heute als würdige Systeme der Freimaurerei bewährt haben, aber auch unzählige dubiose Hochgradwucherungen – Irrlehren, die mit der Freimaurerei […] nichts zu tun haben.[18]
Offensichtlich wurde mit diesen Systemen ein vorhandenes Bedürfnis der Brüder befriedigt. Ob dieses Bedürfnis aus dem Wunsch entstand, in der Selbstveredelung voranzuschreiten und sich der Quelle der Erkenntnis weiter anzunähern, oder einfach einen höheren, wichtigeren Stellenwert in der Freimaurerei einzunehmen, lässt sich nicht beantworten.[19]
Die verschiedenen Hochgradsysteme beruhen auf sehr unterschiedlichen historischen, mythologischen und symbolischen Grundlagen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit lassen sich mehrere zentrale Traditionslinien identifizieren, die Weiterführung des Baus des Salomonischen Tempels bzw. des Baus des 2. Tempels (Alter und angenommener Schottischer Ritus, Holy Royal Arch), die Templerlegenden, (Strikte Observanz, in der Folge Rektifizierter Schottischer Ritus, Alter und Angenommener Schottischer Ritus, York-Rite), die Begeisterung für das antike Ägypten (Cagliostros Misraim Orden), sowie rosenkreuzerische Traditionen, alchemistische Überlieferungen (Gold- und Rosenkreuzer).
Parallel dazu bestehen Grade, die in der strukturierten Verfassung der UGLoE 1813 keine Berücksichtigung finden, aber eine alte und eigenständige Tradition haben. Dazu zählen insbesondere der Mark Master Mason, der Holy Royal Arch, sowie die Ancient and Honourable Fraternity of Royal Ark Mariners.
Der Höhepunkt dieser Entwicklung liegt im späten 18. und im frühen 19. Jahrhundert.[20] Danach folgt eine Phase der Konsolidierung, in deren Verlauf zahlreiche dieser Systeme wieder verschwinden oder in größeren, stabileren Organisationsformen aufgehen. Gegenwärtig haben nur wenige Hochgradsysteme eine überregionale Bedeutung bewahrt und werden aktiv bearbeitet.
Die Großloge von Österreich hat aktuell mit drei Hochgradsystemen, dem Obersten Rat des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, dem York Rite in Österreich und dem Großpriorat von Österreich des Rektifizierten Schottischen Ritus ein Konkordat abgeschlossen. Diese Vereinbarungen regeln unter anderem, dass die betreffenden Systeme auf die Bearbeitung der symbolischen Grade – Lehrling, Geselle, Meister – verzichten. Hintergrund dieser Regelung ist eine zentrale Voraussetzung der United Grand Lodge of England (UGLoE) für die Anerkennung einer Großloge. Die alleinige und vollständige Autorität über die Grade 1 bis 3 muss bei der jeweiligen Großloge liegen[21].
Mit der Grand Lodge of Mark Master Masons of England and Wales and its Districts and Lodges Overseas besteht zwar kein formelles Konkordat aber ein stabiles, freundschaftliches Verhältnis.[22] Die Gründung von Logen der Mark Master Mason und der Royal Ark Mariner wurde von der Großloge von Österreich vorab zur Kenntnis genommen. Eine eigene Organisation dieser Logen besteht in Österreich nicht. Sie arbeiten direkt unter der Jurisdiction der Grand Lodge of Mark Master Mason.[23]
Gegenwärtig arbeitet rund ein Viertel der Brüder der österreichischen Kette in einem Hochgradsystem. Damit bilden die Hochgrade einen bedeutenden und lebendigen Bestandteil des freimaurerischen Lebens in Österreich.[24]
Die Beschäftigung mit weiterführenden maurerischen Systemen führt zwangsläufig zu der grundlegenden Frage, weshalb es überhaupt Hochgrade gibt und welche Funktion diese innerhalb des freimaurerischen Lehrgebäudes erfüllen. Diese Frage berührt den Kern der Freimaurerei selbst, denn sie setzt eine Klärung voraus, welchem Zweck freimaurerische Arbeit generell dient.
Die Freimaurerei versteht sich als ein auf Selbsterkenntnis, ethische Vervollkommnung und geistige Entwicklung ausgerichteter Initiationsweg. Die drei symbolischen Grade bilden dabei den Rahmen, innerhalb dessen die grundlegenden Prinzipien der maurerischen Arbeit vermittelt werden. Ziel ist es, dem einzelnen Bruder jene geistigen und symbolischen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die ihn in seiner persönlichen Weiterentwicklung unterstützen und zu einem bewussten, verantwortungsvollen und sinnerfüllten Leben führen.
Der Weg führt von Selbsterkenntnis über Selbstbeherrschung hin zur Selbstveredelung, die Königliche Kunst. Die Freimaurerei bedient sich dazu des Erlebnisses von Ritual und Einweihung, das den Bruder nicht nur intellektuell, sondern auch emotional und symbolisch ansprechen und abholen soll. Das Ritual fungiert als Erfahrungsraum, in dem abstrakte Lehren durch symbolische Handlungen, Bilder und narrative Verdichtungen verinnerlicht werden.
Mit jedem neuen Grad, den der Bruder erwirbt, eröffnen sich ihm neue Symbole, Inhalte und Lehren. Der Weg vom Lehrling über den Gesellen zum Meister bildet symbolisch das gesamte menschliche Leben ab. Wer diese Vorgaben und Pflichten ernst und auf sich nimmt, steht ohnehin vor einer lebenslangen Arbeit an sich selbst. Unterstützung erhält er durch das freimaurerische Ritual und die darin enthaltenen Symbole, die ihm immer wieder neue Perspektiven auf sein eigenes Denken und Handeln eröffnen.
Es wäre allerdings falsch zu glauben, mit dem Erreichen des Meistergrads wäre diese Arbeit an sich selbst abgeschlossen. Tatschlich gilt das Gegenteil, denn der Meistergrad ist nicht der Punkt, um sich zurückzulehnen. Die Arbeit an sich selbst, die Arbeit am eigenen Rauen Stein, ist permanent und muss als Meister mit nun noch größerer Verantwortung weiter geleistet werden. Ein Meister ist nicht deshalb Meister, weil er angeblich das letzte Wissen erhalten hat; ein Meister ist deshalb Meister, weil er erfahren hat, dass die Arbeit an sich selbst bis ans Lebensende nicht abgeschlossen ist.
Mit dem Meistergrad wächst die Verantwortung, die eigene Entwicklung bewusst und kontinuierlich weiterzuführen. Die maurerische Selbstveredelung ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein fortwährender Prozess, der sich durch Reflexion, Selbstdisziplin und die erneute Auseinandersetzung mit den symbolischen Inhalten des Rituals immer wieder neu vertieft. Ein Meister ist daher nicht aufgrund eines Wissensvorsprungs Meister, sondern aufgrund der Einsicht, dass die innere Arbeit niemals endet und dass gerade diese Einsicht den Kern der Meisterschaft bildet.
Die Möglichkeiten, diesen persönlichen Weg als Freimaurermeister weiter zu gehen, sind – insbesondere innerhalb der Großloge von Österreich – vielfältig. Dazu zählen die konsequente Arbeit am eigenen Reißbrett z.B. durch das Verfassen von Zeichnungen, die Auseinandersetzung mit anderen Lehrarten durch Besuch von Arbeiten nach Emulation- oder Schottenritual, das intensive Bearbeiten mit dem Meistergrad, wie es in der DepL Telos gepflegt wird, die historische Forschung zur Österreichischen Freimaurerei in der Forschungsloge Quatuor Coronati, die Mitarbeit in einer der Werkstätten der Freimaurerakademie und schließlich der Weg in ein Hochgradsystem.
Das heißt, …, wer die Inhalte, Ziele, Wertvorstellungen und Verpflichtungen der Johannismaurerei wirklich ernst nimmt, …, wer sich mit der Freimaurerei nicht nur oberflächlich beschäftigt und wer in der Lage ist, einen Zugang zum rituellen freimaurerischen Geschehen zu finden, der benötigt keine weiterführenden Systeme.[25]
Reicht das Lehrgebäude der Johannisfreimaurerei also allein nicht aus, um das Ziel der Freimaurerei, aus guten Menschen bessere Menschen[26] zu machen, vollständig zu verwirklichen? Hochgradsysteme setzen genau an dieser Frage an. Sie eröffnen Brüdern, die ihre maurerische Arbeit bewusst vertiefen möchten, zusätzliche symbolische Erfahrungsräume, historische Bezüge und spirituelle Impulse, die ihre geistige Arbeit bereichern und erweitern. Mit ihrem Lehrgebäude stellen sie eine Herausforderung an den Willen zur Entwicklung und zur Arbeit jedes einzelnen Bruders dar. Die Hochgrade ersetzen die drei symbolischen Grade nicht, sondern erweitern deren Themenfelder und ermöglichen eine fortgesetzte, differenzierte Auseinandersetzung mit den Grundgedanken der Freimaurerei.
Das Lehrgebäude des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus ist von stufenweiser Perfektionierung sämtlicher Grundlagen freimaurerischer Toleranz, Philosophie, Esoterik und Praxis bestimmt. freimaurerisches (sic) Denken, Fühlen und Verhalten soll das Handeln der Brüder prägen. Durch die ständige Herausforderung des „Selbst“ soll der Bruder in sich so gefestigt werden, daß (sic) globale Menschlichkeit beziehungsweise Mitmenschlichkeit seinen Alltag bestimmen. Dabei baut der Alte und Angenommene Schottische Ritus auf die Methoden und Inhalte der symbolischen Johannisfreimaurerei auf und führt diese fort.[27]
Die Bezeichnung weiterführender freimaurerischer Systeme als Hochgrade führt ohne vertiefte Kenntnisse leicht zu der Annahme, es handle sich dabei um etwas Höheres, Besseres und Wichtigeres als die maurerische Arbeit in den Blauen Logen. Mein erster Eindruck von „den Hochgraden“ war tatsächlich von einem Schaubild geprägt, welches vor allem in den USA verbreitet ist. Es zeigt die Freimaurerei als ein Gebäude in Form einer Pyramide, deren Basis die drei symbolischen Grade bilden. Auf der einen Seite sind die weiteren Grade des AASR, auf den anderen die Grade des York-Rite als Stufen dargestellt. An der Spitze dieser Pyramide steht der perfekte und vollkommene Freimaurer, ein Bild, das unweigerlich den Eindruck einer hierarchischen Steigerung erweckt[28].
Während meiner Zeit als Lehrling, Geselle und junger Meister erschienen mir „die Hochgrade“ als etwas Unerreichbares – geheim und verborgen. Die Arkandisziplin gegenüber der Blauen Loge war so strikt, dass über die Zugehörigkeit eines Bruders zu einem Hochgradsystem bestenfalls hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde. Für mich als Außenstehenden wirkte diese Zugehörigkeit exklusiv, nur durch Einladung zugänglich, auszeichnend und von einem besonderen Geheimnis umgeben.
Abgesehen davon, dass es im großen Garten der Freimaurerei mehr Systeme gibt als die „die Schotten“ und „den Royal Arch“, so ist diese Sicht einfach falsch. Der Grad des Meisters, obwohl er wie ein Hochgrad angelegt und gestaltet ist, ist keine Zwischenstation auf dem Weg zu einer vermeintlich höheren freimaurerischen Elite. Er ist der zentrale und höchste Grad der symbolischen Freimaurerei. Kein Hochgrad – ganz gleich welcher Zahl, ob 6 – 7 – 9 – 11 – 33 oder gar 99 – steht über dem Grad des Meisters.
Die Hochgrade bilden keine hierarchische Fortsetzung der symbolischen Freimaurerei, sondern eine thematische Erweiterung. Sie eröffnen zusätzliche symbolische, historische und spirituelle Perspektiven, ohne den Meistergrad zu überbieten oder zu relativieren.
Kein Bruder ist ein schlechterer Freimaurer, weil er keinem Hochgradsystem angehört. Hochgradsysteme sind zusätzliche und erweiterte Erkenntniswege und keine zusätzliche, übergeordnete (freimaurerische) Autorität. Sie erweitern die Möglichkeiten der persönlichen Arbeit, ohne den Kern der Freimaurerei – die Blauen Grade – zu überhöhen oder zu ersetzen.
Die vorgeschrittenen Grade an sich berechtigen zu keiner Bevormundung anderer Grade, wie auch der Schottische Maurer, welchen Grad oder welche Würde er im Ritus auch innehaben mag, dem Johannismaurer in keiner Beziehung übergeordnet ist.[29]
Warum also sollte sich ein Bruder einem Hochgradsystem anschließen? Hochgradsysteme eröffnen neue Symbole und Rituale, die zu vertiefter Selbstbetrachtung und zur reflektierten Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben anregen. Zugleich begegnet man erfahrenen Freimaurermeistern aus anderen Bauhütten und Orienten, die ein gemeinsames tiefes Interesse an der Königlichen Kunst verbindet.[30]
Darüber hinaus ermöglichen Hochgrade eine intensivere Beschäftigung mit historischen, philosophischen und spirituellen Traditionen der Freimaurerei, die in den Johannisgraden nur angedeutet werden oder offen bleiben. Viele Brüder erleben diese Erweiterung als nächsten Schritt ihrer maurerischen Entwicklung, weil sie dort Fragen stellen und Antworten finden können, die in einer Johannisloge keinen Platz haben.
Nicht zuletzt stärkt die Arbeit in einem Hochgradsystem die brüderlichen Kontakte. Man begegnet Brüdern aus anderen Logen und Orienten und knüpft neue Freundschaften.[31] Manche entdecken dabei auch neue Möglichkeiten, sich in die Maurerei einzubringen, etwa durch Forschung, Zeichnungen oder die Mitarbeit an der rituellen Arbeit.
Die Arbeit in den Ateliers des AASR bietet nicht nur die Möglichkeit zur Vertiefung des freimaurerischen Gedankengutes. Sie fördert indirekt auch die Arbeit der Logen. Da sie Brüder verschiedener Logen vereint, trägt sie zu einer engeren Verbindung aller Freimaurer untereinander bei.[32]
Mitglied in einem Hochgradsystem zu sein, ist eine zusätzliche Möglichkeit, den eigenen maurerischen Weg bewusst, persönlich und mit innerer Konsequenz weiterzugehen.
Ich habe meinen persönlichen Weg im weiten Feld der Freimaurerei gefunden. Im Zentrum meiner maurerischen Entwicklung steht die intensive Arbeit am eigenen Reißbrett. Die vertiefte Beschäftigung mit dem Meistergrad in der DepL Telos hat mein Verständnis von Freimaurerei und ihre Bedeutung für mein Selbst und mein Leben nachhaltig erweitert. Die aktive rituelle Arbeit im Emulation Ritual der L Sarastro sowie im Schottenritual der Loge Aux Trois Canons hat mein Verständnis für das Ritual und dessen symbolische Bedeutung wesentlich vergrößert. Die Mitgliedschaft in der Mark Master Mason Lodge und im Holy Royal Arch Chapter beantwortet Fragen, die in der Blauen Johannisfreimaurerei offen bleiben (müssen). Schließlich hat mich die Arbeit in der Royal Ark Mariner Lodge gelehrt, dass Freimaurerei auch in Formen auftreten kann, die deutlich von jenen abweichen, die ich bis dahin kannte.



[1] https://www.freimaurer-wiki.de/index.php/Internationales_Freimaurer-Lexikon, Zugriff 01.08.2026, 10:10 hrs
[2] Aufnahmeritual YRiÖ
[3] Book of Constitution, Preliminary Declaration, United Grand Lodge of England, https://www.ugle.org.uk/about-us/book-constitutions, Zugriff 26.07.2026, 15:15 hrs
It is declared and pronounced that pure Antient Masonry consists of three degrees and no more, viz., those of the Entered Apprentice, the Fellow Craft, and the Master Mason, including the Supreme Order of the Holy Royal Arch. But this article is not intended to prevent any Lodge or Chapter from holding a meeting in any of the Degrees of the Orders of Chivalry, according to the Constitution of the said Orders. Unionsvertrag der UGLoE 1813
[4] Lennhoff-Posner, Internationales Freimaurer Lexikon 1932, https://archive.org/details/lennhoff-eugen-internationales-freimaurer-lexikon-1932/page/n408/mode/1up, Zugriff 01.08.2026, 12:35 hrs
Diese [die Hochgrade] werden damit begründet, dass eine Weiterleitung besonders Beflissener und eine philosophische Vertiefung in einzelnen Speziallehren der Freimaurerei notwendig sei.
[5] Lennhoff-Posner-Binder, Internationales Freimaurer Lexikon 2006, Stichwort Schottischer Ritus
[6] Lennhoff, Posner, Binder, Internationales Freimaurerlexikon 2006, https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Pike, Zugriff 03.08.2026, 17:05 hrs
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Supreme_Council,_Scottish_Rite_(Southern_Jurisdiction,_USA), zugriff 04.08.2026, 19:30 hrs
[8] Pike A., Morals and Dogma
[9] https://www.freimaurer-wiki.de/index.php/%C3%89douard_Quartier-la-Tente, https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89douard_Quartier-la-Tente, Zugriff 01.08.2026, 10:35 hrs
[10] Zitiert nach Lennhoff-Posner-Binder, Internationales Freimaurer Lexikon 2006
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dersche_Lehrart, Zugriff 03.08.2026, 17:30 hrs
Schröder suchte, abgesehen von seiner persönlichen Einstellung zur Frage der Hochgrade, die Schlichtheit der alten Englischen Rituale. Seine Erfahrung von Freimaurerei war durch die unüberschaubare Vielfalt der (Hochgrad)systeme seiner Zeit mit ihrem Pomp und Plüsch geprägt, insbesondere durch seine Erfahrungen in den Logen der Strikten Observanz.
[12] Stage H., Hochgrade? Vertiefende Grade? Was ist das?, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade, Zugriff 02.08.2026, 15:00 hrs
[13] Stage H., Hochgrade? Vertiefende Grade? Was ist das?, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade, Zugriff 02.08.2026, 15:00 hrs
[14] https://en.wikipedia.org/wiki/Masonic_bodies, Zugriff 03.08.2026, 20:55 hrs
[15] https://fr.wikipedia.org/wiki/Discours_de_Ramsay, https://fr.wikisource.org/wiki/Discours_de_Ramsay, Zugriff 01.08.2026, 11:20 hrs
[16] Einen Überblick über „Geheimbünde“ im Zeitalter der Aufklärung in Mitteleuropa im Umfeld der Freimaurerei gibt die gleichnamige Zeichnung von Br... Peter B., aufgelegt in der L AdF am 29.11.2023
Siehe auch Kiszely G., Freimaurer, Hochgrade, Lehrarten und Pseudoriten, Edition zum Rauhen Stein, 2009
[17]Da aber der 4. Grad praktisch gesehen kaum vollkommener war als der 3., kam es alsbald zu einer vielfachen Vermehrung der Grade.
Warum hätte man auch beim 4. haltmachen sollen, wenn doch die Ziffer 7 eine viel zauberhaftere Zahl ist. …, [Um] die Freimaurerei zu vervollkommnen und die wahre Meisterschaft erreichbar zu machen, machten sich viele Ritualisten ans Werk und schufen Gradhierarchien sozusagen bis ins Unendliche. Wirth Oswald, Le Livre du Maître, zitiert nach Mellor A., Logen, Rituale, Hochgrade, Verlag Styria, Köln, Wien Graz 1969
[18] Kiszely G., Freimaurer, Hochgrade, Lehrarten und Pseudoriten, Edition zum Rauhen Stein 2009
Nun dient die Johannisfreimaurerei bei den meisten Neugründungen lediglich als Legalisierung des Hochgradüberbaus, dabei wird ihr eigentlicher Lehrinhalt nur geringfügig oder aber überhaupt nicht berücksichtigt. …
Dummdreister Aberglaube, obskure Mystik, verdrehte Gnostik, Geldmacherei mit der Verheißung, im Besitz „magischer Kräfte“ zu sein, wirre Theosophie, das Angebot müheloser Schnellvereinigung mit Gott sind der Masonerie ebenso fremd wie erniedrigende Geisterbeschwörungen, Sexualpraktiken, Satanskult und eigene Kirchengründungen. … die Gründer dieser miteinander konkurrierenden Sekten sind häufig psychisch auffällige Individuen, die allerdings reichlich viel vom Geschäft, d.h. vom Missbrauch der nach Magie und Aberglauben lechzenden Menschen verstehen. …
Nur wenige, so auch der AASR, erleben später eine Bereinigung von den störenden Zusätzen und behaupten sich bis in die Gegenwart hinein als würdige Lehrarten der Freimaurerei.
Ähnlich auch Br... Peter B. in seiner oben genannten Zeichnung, aufgelegt in der L AdF am 29.11.2023
Geheimbünde im Zeitalter der Aufklärung waren zu einem erheblichen Teil (so z.B. die strikte Observanz, die ägyptische Freimaurerei, die asiatischen Brüder oder die deutsche Union) eine Erfindung von Schwindlern und Betrügern zur eigenen Bereicherung, die die Sucht nach Geheimnissen, die Selbstgefälligkeit und Gefallsucht, z.B. „Ritter zu sein“ und den Drang nach Titeln sowie als etwas Besonderes zu gelten, bei vielen schamlos ausnützten.
[19] Stage H., Hochgrade? Vertiefende Grade? Was ist das?, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade, Zugriff 02.08.2026, 15:00 hrs
[20] Beispiele für solche Hochgradsysteme: Clermontsches Kapitel, Elus Cohen, Hermetische Maurerei, Illuminés d’Avignon, Knights Templar, Kryptische Maurerei, Martinisten, Misraim-Ritus, Memphis und Misraim-Ritus, Okkultistische Maurerei, Quelle: Lennhoff-Posner, Internationales Freimaurerlexikon 1932, https://archive.org/details/lennhoff-eugen-internationales-freimaurer-lexikon-1932/page/n409/mode/1up , Zugriff 01.08.2026, 12:55 hrs
NB: die meisten Systeme, die Lennhoff-Posner 1932 anführen, gab es in Österreich nie, oder es gibt sie nicht mehr.
[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Basic_Principles_of_Grand_Lodge_Recognition, Zugriff 05.08.2026, 12:25 hrs
Basic Principles for Grand Lodge Recognition, accepted by the Grand Lodge, September 4th, 1929
…
5. That the Grand Lodge shall have sovereign jurisdiction over the Lodges under its control; i.e. that it shall be responsible, independent, self-governing organization, with sole and undisputed authority over the Craft or Symbolic Degrees (Entered Apprentice, Fellow Craft, and Master Mason) within its jurisdiction; and shall not in any way be subject to, or divide such authority with a Supreme Council or other Power claiming any control or supervision over those degrees.
[22] Der ehrwürdigste Br... Großmeister ist sowohl Mitglied einer Mark Master Mason Lodge als eine Loge der Royal Ark Mariner
[23] Die Bezeichnung der Grand Lodge of Mark Master Mason für solche Logen ist unattached unit.
[24] Br... R. N., alias Rudi Rabe, Hochgrade in Österreich, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade_in_%C3%96sterreich, Zugriff 01.08.2026, 17:00 hrs
[25] Stage H., Hochgrade, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade, Zugriff 01.08.2026, 16:05
Dieser letzte Grad (die Meisterschaft) erscheint uns als Krönung der initiatorischen Hierarchie. …
Alle freimaurerische Esoterik ist sicherlich in den drei Johannisgraden enthalten, und sie müßte (sic) genügen, wenn wir alles aus ihnen herauszuholen wüßten (sic), was in ihnen verborgen liegt. Oswald Wirth, Le Symbolisme hermétique, zitiert nach Mellor A., Logen, Rituale, Hochgrade, Verlag Styria, Köln, Wien Graz 1969
[26] Make good men better, z.B. in https://www.thesquaremagazine.com/mag/article/202005making-good-men-better/, Zugriff 03.08.2026, 18:00 hrs
[27] https://aasr.at/grundsaetze/, Zugriff 01.08.2026, 16:15 hrs
Siehe auch Flyer: „Informationen über den AASR“, https://aasr.net/192/mitglied-werden/. Zugriff 04.08.2026, 20:05 hrs
Der Alte und Angenommene Schottische Ritus (AASR) als ein System weiterführender Grade erschließt neue maurerische Dimensionen und Horizonte der Kulturgeschichte der Menschheit. Über die Reflexion der ewigen Frage nach dem Sinn unserer Arbeit und des Lebens gibt der AASR Werkzeuge an die Hand, einen eigenständigen Weg der Weisheit zu finden.
[28] Abbildung am Ende der Zeichnung
[29] https://aasr.at/struktur/, Zugriff 01.08.2026, 16:20 hrs
[30] https://praefektur-wilhelmsbad.de/hochgrade/, Zugriff 01.08.2026, 20:40 hrs
[31] Bogenfunktion in Stage H., Hochgrade? Vertiefende Grade? Was ist das?, https://freimaurer-wiki.de/index.php/Hochgrade, Zugriff 02.08.2026, 15:00 hrs
[32] Flyer: „Informationen über den AASR“, https://aasr.net/192/mitglied-werden/. Zugriff 04.08.2026, 20:05 hrs