Die Sache mit dem GBAW

… die schöpferische, uns Menschen unerforschliche Wesenheit …, die wir Freimaurer im Symbol des Großen Baumeisters aller Welten verehren…[1]

Der GBAW ist scheinbar ein einfach zu verstehendes Symbol. Meistens denken wir, wenn wir den Begriff GBAW hören, an einen konkreten Gott, vorzugsweise an einen Gott der Buchreligionen, der – ebenso selbstverständlich – theistische Eigenschaften hat. Vielen von uns wird spontan die Buchmalerei aus der Österreichischen Nationalbibliothek oder das Werk von Blake einfallen, welche den GBAW mit dem Zirkel in der Hand die Welt konstruierend zeigen.

Die Sache mit dem GBAW wird dadurch kompliziert, dass die wesentliche Voraussetzung für die Regularität einer Großloge gemäß den Regeln der UGLE die Anerkennung eines „Supreme Being“, eines Höchsten Wesens, eines übergeordneten Seins, eben des GBAW, ist. Ausdrücklich wird von der UGLE in einer Erklärung vom Juni 1983 festgestellt, dass sich die Freimaurerei in keiner Weise an die Gebräuche irgendeiner Religion anlehnt. Das Höchste Wesen ist ein „regulatives Prinzip“, das vom Br... FM mit seinen persönlichen weltanschaulichen-religiösen Vorstellungen zu verbinden ist.

Damit sind jedoch aus meiner Sicht sehr wesentliche Aussagen getroffen. Der GBAW stellt ein – ohne Zweifel – zentrales Symbol der FMei dar. Allerdings ist er eben ein Symbol, und ein Symbol ist nicht die Sache selbst, so wie die berühmte Pfeife in dem Gemälde von Magritte eben keine Pfeife ist. Beim GBAW handelt es sich eben nicht um die freimaurerische Bezeichnung für Gott, Allah, JAHWE. Die Annahme, dass dieses Höchste Wesen theistische Eigenschaften hat ist willkürlich. Wahrscheinlich haben die Brr... im 18. Jahrhundert in England eher ein deistisches Weltbild vertreten. Das Symbol des GBAW ist in der Interpretation offen und steht nicht ausschließlich für einen wie auch immer gearteten Gott.

Das Bekenntnis zum GBAW und die Bibel, das Buch geheiligter Überlieferung, begründen auch keine wie immer gearteten religiösen Minimalanforderungenan an den Freimaurer. Im Dialog an der Pforte des Tempels anlässlich der Aufnahme eines Suchenden antwortet der VM auf die Frage nach der Religion desselben: danach habe ich nicht gefragt.[2]  GBAW und das Buch geheiligter Überlieferung stellen die umfassenden Sinnsymbole der FMei dar und sind als solche von jedem Br... zu respektieren. Der Freimaurer hat sich moralisch, nicht religiös zu verpflichten, ein guter und redlicher Mann soll er sein, ein Mann von Ehre und Anstand, ohne Rücksicht und Bekenntnis und religiöse Überzeugung, sagen die Alten Pflichten.

FMei ist daher aus meiner Sicht offen für Menschen aller Weltanschauungen und Religionen, sie ist offen für Menschen mit keiner religiösen Bindung im herkömmlichen Sinn, und sie muss auch offen für Agnostiker und Atheisten sein. Jedoch, ein die Werte des Freimaurerbundes verneinender Nihilismus, nicht ein mit humanistischem Denken und Handeln durchaus vereinbarer Atheismus oder Agnostizismus, ist das für einen ethischen Bund unabdingbare Ausschlusskriterium.[3]

Der Auftrag ergeht an jeden einzelnen Br... das zentrale Symbol der GBAW persönlich mit Sinn zu erfüllen. Aus meiner Sicht steht das Symbol des GBAW für ein sinngebendes Prinzip, für eine über das Ich hinausgehende Transzendenz, die nicht religiös verstanden werden muss, sondern auch immanent als Beziehung zum Du und Wir begriffen werden kann, als ein Über-Sich-Hinausgehen und Über-Sich-Hinausblicken innerhalb dieser Welt…[4].

Freimaurerei ist eine ethisch orientierte Vereinigung freier Menschen. Freimaurer haben keinen gemeinsamen Gottesbegriff. Das Symbol des GBAW steht ganz allgemein für die Anerkennung eines sinngebenden Prinzips, das auch die Menschenrechte oder eine Weltformel sein können. Folglich ist Freimaurerei offen für Menschen jedweden religiösen Glaubens und für Menschen, die sich zu keinem religiösen Glauben bekennen. In der Freimaurerei geht es um menschliches Miteinander, ethische Lebensorientierung und emotionale Spiritualität durch Symbole und rituelle Handlungen.

Durch ihre Symbole und Rituale bewirkt die FMei eine dreifache Einordnung des Freimaurers. Im Habitus des Bruders soll eine moralische Ordnung begründet werden: „Schaue in dich“, … Es soll eine soziale Ordnung begründet werden: „Schaue um dich“, … Und es soll eine kosmologische Ordnung begründet werden: „Schaue über Dich“, die Arbeit des Freimaurers dient einem höheren Sinn, sie erfolgt mit Bezug zur Transzendenz, wobei Transzendenz auch als innerweltliches Wertgefüge verstanden werden kann.[5]

Es ist jedem Br... FM selbst überlassen, ob er an Gott glaubt oder nicht, wie er das Symbol des GBAW für sich persönlich mit Sinn erfüllt. Kein Freimaurer darf einem anderen sein jeweiliges Glaubens- oder Nichtglaubens-Konzept überstülpen. Das Symbol des GBAW ist in der Interpretation offen und steht nicht ausschließlich für einen wie auch immer gearteten Gott.

[1] Ritual der Rezeption, GLvÖ

[2] Ebenda

[3] Höhmann H.-H.; Freimaurerei. Analysen, Überlegungen, Perspektiven, Temmen-Verlag, Bremen 2011

[4] http://www.freimaurerinnen-muenster.de/Wissenswertes, Zugriff 29.12.2019, 18.10 hrs

[5] Höhmann H.-H.; das Ritual in der Humanistischen Freimaurerei; Funktion, Struktur, Praxis; Salierverlag, Leipzig 2016

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