Raum und Zeit

In der Eröffnung der Loge werden symbolischer Raum und symbolische Zeit für unsere Arbeit festgelegt. Symbolisch sind Raum und Zeit deswegen, weil diese Festlegungen durchaus nicht mit der Realität übereinstimmen müssen.

Gemeinsam mit den beiden AA legt der MvSt diesen besonderen, von anderen Räumen unterschiedenen Raum fest, der jedoch erst durch die Festlegung der symbolischen Zeit seinen Charakter als Symbol der Vollendung gewinnt. Die alte englische Ritualformel dafür lautet: I declare the Lodge duly open; ob dieser Satz mit „die L öffnen“ oder „die L eröffnen“ übersetzt werden soll, darüber waren sich die Autoren unserer Rituale nicht einig.

Sinn der (Er)öffnungsformel ist, dass alle am Ritual teilnehmenden Brr... ihre ganze Aufmerksamkeit im Augenblick des Hammerschlags des MvSt dafür öffnen und dafür schärfen, dass ab nun etwas Besonderes geschieht, nichts Magisches, nichts Heiliges im Sinn einer Religion, nicht von uns Unabhängiges, sondern etwas, das in uns ist und das von uns selbst ausgehend aktiviert wird. Ohne diese Öffnung bleiben wir unkonzentriert und abgelenkt.

Als Brr..., die wir im Tempel zu gemeinsamer Arbeit versammelt sind, sind wir auch für die besondere Qualität von symbolischem Raum und symbolischer Zeit als grundlegende Ordnungselemente der FMei verantwortlich.

(Er)öffnen der Loge, Beginn der symbolischen Zeit, bedeutet Öffnen des Bewusstseins von uns Brr... für den besonderen Raum, der uns umgibt, der uns Schutz gibt (…wir arbeiten in Sicherheit…), der unser Geheimnis ist und damit gleichzeitig „Heimat“ ist; denn Geheimnis meinte ursprünglich nichts anderes als zum Heim, zur Heimat gehörig. Der symbolische Raum der L ist unendlich und universell. Er reicht vom Ost nach West, von Nord nach Süd, vom Zenit bis zum Nadir.

Die Ordnung der symbolischen Zeit wirkt als „Moratorium des Alltags“[1]. Die Zeit der Logenarbeit ist keine „heilige“ Zeit. Sie steht jedoch außerhalb des Laufs des Alltags, sie ist eine Zeit die Heimat schafft. Die Riten sind in der Zeit, was das Heim im Raum ist, sagt Antoine de Saint-Exupéry und weiter, denn es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht und zerstört, sondern als etwas, das uns vollendet. Es ist gut, wenn die Zeit ein Bauwerk ist.[2]

Es geht nicht darum die eigene verrinnende Zeit zu überwinden und durch Abkehr von der Zeitlichkeit direkt in eine Ewigkeit vorzustoßen, sondern darum seine Zeit aktiv als Bauwerk zu gestalten. Das Mittel, die Zeit zu gestalten ist ihre Gliederung durch Haltepunkte.[3]

Die Tempelarbeit, der Ort unserer geistigen Arbeit, soll ein solcher Haltepunkt sein, kein soziales Aussteigen, eine Atempause soll sie sein, ein festliches und zugleich besinnlich-schöpferisches „Moratorium des Alltags“.

Symbolischer Raum und symbolische Zeit gehören untrennbar zusammen. Sie gehören uns Brr..., wenn wir gemeinsam L halten. Sie sind unsere Heimat und bieten darum Raum für das Geheimnis, das uns verbindet. An diesem Geheimnis haben nur diejenigen Anteil und können auch nur diejenigen Anteil haben, die dabei sind, wenn der MvSt mit dem wichtigsten Hammerschlag der rituellen Arbeit die L (er)öffnet und wenn die symbolische Zeit beginnt. Dieses Geheimnis kann tatsächlich nicht verraten werden; wir können es nur erleben.[4]

[1] Odo Marquardt

[2] de Saint-Exupéry A.; die Stadt in der Wüste

[3] http://wernerloch.de/doc/Saint-ExuperyB.pdf, Aufruf 24.11.2019, 16.30 hrs.

[4] Höhmann H.-H., das Ritual in der Humanistischen Freimaurerei, Funktion, Struktur, Praxis; Salierverlag Leipzig 2016

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