Was tun?…

… ist die Frage nach einer konkreten Handlungsanweisung, nach einem Rezept. Was tun gegen den Populismus, gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Kapitalisierung aller Lebensbereiche, gegen die Klimakrise, gegen die Migration? Die Frage ist Ausdruck einer Ratlosigkeit.

Es ist ein doppelter Ruf, ein Ruf nach Rezepten gegen die multiplen Krisen und ein Ruf nach Alternativen, die dieses Handeln leiten sollen, alternative Gesellschaftskonzepte, eine neue große Erzählung, ein neues Narrativ. Wobei die Sehnsucht nach einer Erzählung nicht nur die Sehnsucht nach Inhalten ist, sondern vor allem die Sehnsucht nach einer Erzählung, die die Leute ergreift. Denn Inhalte, politische oder gesellschaftliche, liegen ja zur Genüge vor… Aber diese Inhalte packen die Leute nicht… oder nicht mehr. Weder weisen sie einen Weg, noch eröffnen sie eine Perspektive. …Sie beflügeln keine Hoffnungen. Und so bleibt der unerfüllten Sehnsucht nach politischer Hoffnung nur die Frage: Was tun?[1]

Slavoj Zizek meint, der Traum von einer Alternative sei zu Ende. Wer ihn weiter träume, sei nur zu feige, sich die Alternativlosigkeit, also die Hoffnungslosigkeit einzugestehen. Dieser Traum sei nur ein Fetisch gegen die Ausweglosigkeit. Die Frage „Was tun?“ gibt sich der Hoffnung hin, es gäbe eine Antwort, es gäbe eine konkrete Anleitung. Mehr noch, diese Frage zielt eigentlich auf die Versicherung, dass da jemand sei, der weiß, was zu tun ist.

Meine Brüder, als Brr... FM ist es unsere Aufgabe uns immer wieder aufs Neue die Frage zu stellen, was tun. Wir dürfen nicht blind werden gegenüber den großen Fragen des Hier und Jetzt; das war immer und ist auch weiterhin die große Aufgabe der FMei.

Wenn Brr... FM, was tun?, fragen, so ist das kein Ausdruck von Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit, sondern der Aufruf zum maurerischen Handeln zum Wohl der Menschheit. Unser Ansatz ist ein anderer. Wir verstehen uns als mündige Menschen, die es wagen, sich ihres Verstandes zu bedienen. Wir brauchen daher keine charismatischen Führergestalten, die uns Antworten auf unsere Fragen geben, die uns sagen, was wir tun sollen, denn was uns auszeichnet, ist die Kunst selbst und dabei frei zu denken.

Der Lauf der Geschichte hat uns gezeigt, dass uns diese „Heilsbringer“ – frei nach Popper – zwar das Paradies auf Erden versprochen haben, uns dabei aber die Hölle auf Erden gebracht haben. Als Brr... Freimaurer sollten wir daher gerade denjenigen kritisch gegenüberstehen, die so auf die Schnelle Antworten auf komplexe Fragen aus dem Ärmel schütteln.

Unser Wertegerüst von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität ist ein guter und vor allem brauchbarer Maßstab, um über große Fragen nachzudenken und Lösungen zu erarbeiten. Die inhaltliche und fachliche Kompetenz ist in unserer Kette sehr wohl vorhanden; nützen wir dieses Potential.

Die FMei bietet dieses neue Narrativ, einen Mythos, die verbindende Saga, die alle zusammenschweißt. Es ist der Mythos der Humanität, dass der Mensch aus der Tatsache seines Menschseins Rechte genauso wie Pflichten habe. Der Mythos wird durch Ritual und Symbol Grund gelegt; damit sollen die Zusammenhänge des Lebens auf einen Sinn hin interpretiert werden, einen Sinn, der dem einzelnen Menschen eine erkenntnismäßige und emotional nachvollziehbare Handlungsorientierung verleiht.

FMei ist laut denken mit dem Freund; dieser ist nicht nur der Br... in der eigenen L, das sind genauso die Brr... der Weltenkette. Den Auftrag dazu finden wir n unserem Ritual[2].

Wenn wir als Brr... FM also die Frage „Was tun?“ stellen, so tun wir das nicht als Ausdruck unserer Hoffnungslosigkeit, sondern in dem Bewusstsein, dass wir unserem maurerischen Auftrag Genüge tun wollen, für das Wohl der Menschheit zu arbeiten.

[1] Charim Isolde in Wiener Zeitung online, 26.05.2017, 17.30 hrs

[2] Ritual der Beförderung, GLvÖ

…einzeln und gemeinsam, für das Ziel wirken wollen, dem wir uns bei unserer Aufnahme in den Bund der Freimaurerverpflichtet haben: Für das wohl der Menschheit.

…dass wir für die eine Welt arbeiten wollen, die frei werde von Parteigeist und Feindschaft, Gewalt und Zerstörung, eine Welt in der die Menschen nach Wahrheit und Gerechtigkeit streben, nach Frieden und Harmonie.

…dass wir über dieses große Werk miteinander reden und verhandeln: offen. ohne Gehässigkeit; mit Herzenswärme, ohne blindwütiges Eifern; vor allem aber nur nach sorgfältigem Nachdenken.

 

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