Was war, was ist, was bleibt – das Zeitlose in der FMei

Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in der Satz des italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 – 1957) – Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist – mehr denn je zu stimmen scheint. Auch Friedrich Schiller schrieb schon Ende des 18. Jahrhunderts: wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Veränderung scheint – nicht nur in der Politik – ein Wert an sich zu sein.

Die FMei besteht nun seit über 300 Jahre und sich in diesen mehr als 300 Jahren doch verändert und ist wahrscheinlich im Kern doch gleich geblieben. Mir geht es in dieser Kurzinstruktion darum aufzuzeigen, was sich in der FMei als dauerhaft erwiesen hat und was die veränderliche, flüchtige Schale der FMei ist. Ohne Zweifel würde ein Br... des späten 18. oder frühen 19. Jahrhunderts die Inhalte des Rituals erkennen und ihnen folgen können, die Ritualpraxis wäre ihm wahrscheinlich fremd.

Ritual und Symbol machen den Kern der FMei aus; unser Ritual der Aufnahme sagt es so: wenn sich auch im Laufe der Zeiten hier und dort äußere Verschiedenheiten herausgebildet haben, die wesentlichen inneren Grundsätze sind immer und überall dieselben geblieben. Die Inhalte des Rituals sind dauerhaft. Die Symbole sind es nicht.

Im Laufe der masonischen Geschichte sind in den verschiedenen Obödienzen Symbole – wie z.B. der Bienenkorb, aber auch Geldstücke oder der Spiegel – verloren gegangen. Auch wenn das Symbol bleibt, so ist doch die Interpretation der Brr... eine andere geworden. Unser zentrales Symbol der Bau des Weisheitstempels, des Tempels der Humanität sieht am Anfang der 21. Jahrhunderts, zu einer Zeit, da viele maurerische Ziele erreicht sind, wohl komplett anders aus als zu Beginn der 19. Jahrhunderts.

Symbole sind nicht dauerhaft allerdings sehr wohl aber zeitlos. Symbole müssen vom einzelnen Br... in seinem persönlichen und im historischen Kontext neu gedacht werden. So bleibt ein rechter Winkel immer ein rechter Winkel; er soll uns zu rechtem Handeln ermahnen. Was aber rechtes Handeln im Kontext der Zeit bedeutet, das muss jeder Br... immer wieder aufs Neue denken. Dafür ist es nötig, zu wissen, was wir wollen.

Br... Viktor Frankl meinte dazu: Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll, und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will.

 

 

Zusammenfassung der Rede des GR der Großloge A.F.u.A.M.v.D. Br... Wolfgang Kreis zum Großlogentreffen 2019

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