FM und die offene Gesellschaft

Das vor allem von Karl Raimund Popper entwickelte Konzept der offenen Gesellschaft ist das Konzept des demokratischen Pluralismus. Popper entwickelte sein Konzept in den1940-er Jahren, in der Zeit der militanten Bedrohung der freien Welt durch Nationalsozialismus und stalinistischen Kommunismus. Sein Konzept der offenen Gesellschaft richtet sich gegen alle utopischen „Erzählungen“ von Platon bis Marx, Erzählungen von einem gesellschaftlichen Ganzen, in dem die Freiheit des Einzelnen letztlich untergeht.

Mir als Br... FM scheint es selbstverständlich, Anhänger von Poppers Konzept der offenen Gesellschaft zu sein. Offene Gesellschaft bedeutet Herrschaft der Vernunft, Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Pluralismus und Schutz der Minderheit insbesondere in dem Sinn der institutionell gesicherten Chance, bei der nächsten Wahl zur Mehrheit zu werden.

Als Br... FM halte ich es für unverzichtbar, über die institutionellen und kulturellen Voraussetzungen der offenen Gesellschaft nachzudenken. Es ist die Aufgabe der FMei, am öffentlichen Diskurs über die Grundlagen und Praxis der offenen Gesellschaft teilzunehmen.  Dieser Diskurs ist genauso innerhalb des Bundes zu führen, wie zwischen Mitgliedern des Bundes und der Öffentlichkeit. Die Brr... FM sollen mit ihrer Stimme in der in der Öffentlichkeit vernehmbar sein, mit einer besonnenen Stimme, einer sensiblen Stimme, einer Stimme, die konstruktive Gedanken vermittelt und auf plumpe Parolen verzichtet, einer Stimme, die als Gegengewicht wirkt gegen Respektlosigkeit und Rassismus. Mein Auftrag als Br... FM bedeutet, heute als stolzes Mitglied der Zivilgesellschaft, als Citoyen, mein Wort im öffentlichen Diskurs zu erheben, um mich so als Teil der Zivilgesellschaft zu bewähren.

Aktuell werden die westlichen Gesellschaften durch die Zuwanderung multikulturell, daher müssen wir eine über die Vielfalt der verschiedenen Kulturen hinweg eine neue Kultur der Übereinstimmung, eine Kultur des „Wir alle gemeinsam“ entwickeln, die zur Grundlage von Wahrnehmung und Handeln der neuen und alten Bürger wird. Die Antworten dürfen keine rückwärtsgewandten von vor 80 Jahren sein, keine antiquierte Kultur eines völkisch geprägten Nationalismus. Das Ziel muss eine demokratische Verfassung sein, die keine christliche, österreichische, deutsche oder sonst eine Leitkultur ist, sondern eine europäische, die in der Aufklärung wurzelt.

Als Brr... FM habe wir ein Vorbild für eine solche Verfassung, unsere LL. Unsere Brr... gehören unterschiedlichen Ethnien an, haben ihre eigene Identität, die auf ihrer spezifischen Kultur beruht. Auch kann der Einzelne Träger vieler verschiedenen Kulturen sein, seien sie regional, ethnisch oder religiös geprägt. Was diesen Pluralismus sozial verträglich und ertragbar macht, ist der verbindende Grundkonsens, dass es offen sozial, gerecht und demokratisch zugehen soll.

Ein Kommentar zu „FM und die offene Gesellschaft

  1. Freimaurerei ist per se politisch! Im Mittelpunkt der freimaurerischen Arbeit steht der nach Wahrheit und Erkenntnis suchende Mensch. Wahrheitssuche, das ist im Sinne von Popper ein Weg, der immer von einem Problem oder einer Erfahrung ausgeht, von praktischen wie auch theoretischen Fragestellungen des Lebens. Ziel ist es, klären und erklären zu können, zu prüfen, ob das, was gesagt oder gezeigt wird, auch mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
    Das ist eine Fähigkeit, eine Arbeitsweise, über die wir als Menschen verfügen und die wir entfalten können. Popper sieht darin auch den Weg zur Erkenntnis als einer neuen intellektuellen Situation. Diese entsteht aus vorhandenen Wahrheiten, die aktiv durch den Verstand verarbeitet und in der Tragweite ihrer jeweiligen Bedeutung ermessen werden. In diesem Sinne kommen Freimaurerinnen und Freimaurer in ihren Logen zusammen, um miteinander auf einer breit gefächerten Basis von sehr unterschiedlichen Wahrheiten und vielseitigem Wissen ihrer Mitglieder darüber nachzudenken, was man als Einzelner und gemeinschaftlich tun kann und muss, um ein verträgliches und nachhaltiges Miteinander alles Lebendigen auf dieser, unserer einzigen Welt hinzubekommen.

    Nach Hannah Arendt entsteht das Politische aus dem Miteinander, dem Teilnehmen an Worten and Taten, dem Ergreifen von Initiative. Und zwar in jenem Teil der Welt, den wir gemeinsam mit anderen bewohnen, im öffentlichen Raum. Handeln ist die Fähigkeit etwas zu veranlassen, Prozesse einzuleiten. Gesinnung allein ist politisch ohnmächtig.

    Mit solchen Gedanken ist man beim geistesgeschichtlichen Kern der Freimaurerei, den es zu revitalisieren gilt!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s