…was bindet die Steine zu einem Ganzen? – Die Brüderlichkeit!

Unsere Bausteine sind die Menschen.

Was bindet diese Steine zu einem Ganzen?

Die Brüderlichkeit!

Wie oft haben wir diesen Dialog zwischen dem MvSt und den beiden Aufsehern gehört und – meine Br..., ich behaupte, es geht euch da wie mir – nicht richtig hingehört. Denn Brüderlichkeit ist nach unserem allgemeinen Verständnis etwas, das sich doch ausdrücklich auf die Brr... meiner L bezieht, dann auf alle Brr... FM. und da sagt uns das Ritual, dass Brüderlichkeit die Grenzen unseres Bundes überschreiten soll und sich auf alle Menschen bezieht. Der Mörtel, der Beton, des Baus des Tempels der allgemeinen Menschenliebe ist die Brüderlichkeit, die die Steine, nämlich die Menschen, alle Menschen, zu einer festen Mauer zusammenfügen soll.

Das Arbeitsgebiet des Br... Fm erstreckt sich also auf alle Menschen, also Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit nicht nur für und unter Brr.... Wenn ich ehrlich bin, das scheint mir doch ziemlich idealistisch, dafür gehen mir manche Mitmenschen zu sehr auf den Geist. Aber FM definiert nicht hehre Idealziele, denen im praktischen Leben kein Wert zukommt; als Freimaurer stelle ich den Anspruch aus Idealen konkrete Anforderungen für mich und mein Leben zu formulieren (…wie hier durch das Wort, im Leben durch die Tat).

Als Freimaurer kreisen unsere Ideale um Würde und Freiheit des Menschen, um die Humanität; als Menschen brauchen wir diese Ideale, die wie die Sterne unerreichbar sind, um zu wissen, wohin unser Weg geht. Seien wir jedoch gleichzeitig mit Karl Popper vorsichtig, der meinte, der Versuch den Himmel auf Erden einzurichten, habe stets die Hölle erzeugt und weiter, wir müssten unsere Träume der Weltverbesserung aufgeben und dennoch könnten und sollten wir Weltverbesserer sein.

Humanität, Menschenliebe, schienen in den Anfangsjahren und Jahrzehnten der FMei ein einfaches, leicht zu definierendes Ziel zu sein, Befreiung des einzelnen Menschen, Abschaffen der Standesunterschiede, Redefreiheit, Abschaffen der Zensur, Demokratie, Frauenwahlrecht. Das haben wir heute nach vielen Rückschlägen ziemlich alles erreicht. Die allgemeine Erklärung der Menschrechte vom 10.12.1948 mit dem Satz zum Anfang: alle Menschen sind frei und gleich an Würden und Rechten geboren, die Europäische Menschenrechtskonvention, die diese Wert ein- und verschärft und auch für den einzelnen Menschen einklagbar macht, geben Zeugnis davon. So sieht der Mörtel unseres Tempelbaus also aus.

Die wirkliche Bedeutung wird umso klarer und deutlicher, wenn wir diese Texte rückwärts lesen, also untersuchen, was da verneint und abgelehnt wird. Darin steht das ausdrückliche Verbot, Menschen oder Menschengruppen geringer zu achten; das müssen ja nicht gleich Untermenschen zu sein, denen man diese Rechte komplett abspricht, aber sie haben andere, eingeschränktere Rechte. Als FM sind uns Gedanken wie die folgenden komplett fremd – oder täusche ich mich da?

  • Der Ruf nach einer abendländischen christlichen Leitkultur
  • Die Ablehnung der Ehe für alle
  • Vorrang für Menschen, die hier geboren sind oder schon länger hier wohnen
  • Eine andere Krankenkasse mit anderen, schlechteren (?) Leistungen für Zuwanderer
  • Weniger Kinderbeihilfe für Menschen, deren Kinder im armen Osten Europas leben
  • Die Einstellung gegenüber dem Islam als veraltete, mittelalterliche Religion, die nicht in unsere heutige Zeit passt
  • Die latente Ablehnung der Österreicher jüdischen Glaubens, die doch nach Israel gehen sollen, wenn es ihnen hier in Österreich nicht passt
  • Die Ablehnung des Staates Israel und das Hofieren von Organisationen und Staaten, die die Vernichtung genau dieses Staates zu ihrem Ziel gemacht haben

Wenn wir bei manchen dieser Punkte zögern, so ändert das doch nichts daran, dass wir mit dem Mörtel der Brüderlichkeit den Tempel der Allgemeinen Menschenliebe bauen, oder?

Ich will sicher nicht zu kritikloser Toleranz aufrufen, ich weiß, dass es Grenzen der Toleranz gibt und geben muss. Denn wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. Grenzen der Toleranz sind wichtig, aber in beide Richtungen. Es gibt Positionen, die so intolerant sind, dass sie bekämpft werden müssen und es gibt Positionen, die sind so sehr im Sinne der Humanität, dass sie nicht erduldet, sondern gefördert, unterstützt und angenommen werden müssen.

Dann ist die Brüderlichkeit der Mörtel, der Beton, des Tempelbaus.

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