Bauen am Tempel der Humanität

Wer baute das siebentorige Theben?

In den Büchern stehen die Namen von Königen.

Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?

Und das mehrmals zerstörte Babylon,

Wer baute es so viele Male auf?

In welchen Häusern des goldstrahlenden Limas wohnten die Bauleute?

Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war die Maurer?

Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?[1]

 

Wer baut den unsichtbaren Tempel der Humanität?

In den Büchern stehen die Namen von berühmten Brr...

Haben nur die berühmten, namentlich bekannten Brr... die Welt erleuchtet?

 

Meine Brr..., das Ritual der Beförderung gibt auf die Frage nach der Nachhaltigkeit der maurerischen Arbeit des einzelnen Br... eine klare und – wie ich meine – gleichzeitig überraschende Antwort. Jede Arbeit, die wir tun, ist nur ein Schlag auf Eisen, das ein anderer vor uns geglüht hat und mit dem nach uns ein anderer arbeiten wird. Der Lohn dafür ist unser Anteil an der Kultur der Menschheit.[2]

 

Jeder von uns steht in der langen Reihe der Brr..., jeder trägt seinen Teil zu diesem Bau bei. Wir schlagen auf schon beschlagenes Eisen, das nach uns weiter bearbeitet werden wird. Wir kennen weder den Beginn, noch sehen wir das Ende oder können ahnen, wie die vollendete Arbeit aussehen mag. Das Gesellenritual prophezeit, dass keiner von uns das Ende, die Fertigstellung des Großen Werks erleben wird, dass wir vor Abschluss des Baus unsere Werkzeuge niederlegen müssen und ein anderer unsere Stelle einnehmen wird.

 

Vielleicht ist unser Schlag nur eine Wiederholung?

Vielleicht ist unser Schlag für die Tradition, in der wir stehen, nur insofern wichtig, als wir sie aufrechterhalten?

Vielleicht glauben wir nur aus Mangel an Bildung, einen originellen Beitrag zu leisten?

Vielleicht ist es uns auch wirklich gegeben, einen neuen Schlag zu tun?

All das ist nicht ausschlaggebend.

 

Wichtig ist das Ziel, dem wir uns alle verpflichtet haben, dem Bau des Tempels der allgemeinen Menschenliebe.

Wichtig ist das neue Verständnis von individueller Freiheit, die freiwillige, verantwortungsvolle Vernetzung in einer langen Kette, die sich durch die Zeiten zieht, – nicht die Selbstverwirklichung durch individuelles Tun.

 

Maurerisches Handeln, Bauen am Tempel der Humanität heißt teilnehmen an einem Ziel,

welches größer ist als ich selbst,

welches ich nie ganz kennen werde,

über welches ich nicht allein verfüge.

 

Die Größe meines Beitrags ist nicht wichtig, wichtig ist, dass ich ihn leiste.

Die Kunst ist lang, das Leben kurz[3].

[1] Brecht Bertolt, Fragen eines lesenden Arbeiters, http://ingeb.org/Lieder/werbaute.html, Zugriff 25.02.2018, 13.20 hrs

[2] Ritual der Beförderung, erste Reise, GLvÖ

[3] Ritual der Beförderung, Gesellenbrief, GLvÖ

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