Die beste Welt

Wir leben in der besten Welt, die wir haben, denn eine andere ist uns wahrscheinlich nicht gegeben. Voltaire sagt es so: das irdische Paradies ist dort, wo ich bin (Le paradis terrestre est où je suis, Le Mondain 1736).

 

Mit dieser These ist ein ethisches Programm formuliert, denn wer davon ausgeht, dass diese konkrete Welt, dieses sein konkretes Leben, die einzige ist, die er hat oder in der er leben kann, wird mit dieser Welt und seinem Leben sorgsamer umgehen, als jemand, der – immer noch – auf eine bessere Welt, ein besseres Leben hoffen kann. Die beste Welt, die wir haben, bedeutet ausdrücklich nicht, dass in dieser Welt alles in Ordnung ist, frei nach der besten aller möglichen Welten, wie sie Leibniz postulierte, sondern ist im Gegenteil in kräftiger Aufruf dazu, diese eine Welt wirklich zur besten zu machen und dieses unser Leben als Herausforderung zu sehen und als gutes, erfülltes Leben zu leben. Gutes Leben, wenn es überhaupt ein gutes Leben gibt, muss sich hier und jetzt abspielen.

 

Dieser Satz von der besten Welt, die wir haben, ist eine Aufforderung an mich selbst, mein Leben zu einem gelungenem zu machen, denn nach dieser These gibt es weder eine Seelenwanderung, in deren Rahmen ich mich immer wieder aufs Neue meinem Ziel annähern kann, noch ein besseres Jenseits, wo ich für die Enttäuschungen des hier und jetzt entschädigt werden werde. Dieser Satz impliziert gleichzeitig auch, dass diese Welt, wie ich sie erlebe, an sich großartig ist. Furcht oder Abscheu angesichts der Schlechtigkeit der Welt, das Gefühl in einem Jammertal zu leben und auf eine wahrere, idealere, gereinigte Welt zu hoffen, sind Kennzeichen einer weltabgewandten, einer metaphysischen, einer religiösen Einstellung. Eine solche Welt bedarf der Erlösung durch das Eingreifen eines Gottes. Für den Erfolg des Einzelnen bleibt in diesem System kein Platz, er kann maximal im Nirwana, im absoluten Nichts aufgehen. Wenn mir also in der besten Welt, die ich habe, eine Furcht bleibt, so ist es die Furcht davor, ein schlechtes Leben zu leben.

 

Die FMei ist ein Weg, diese Welt und das Leben in ihr zur besten Welt, die wir haben und zum besten Leben, das wir leben können, zu machen. Sie stellt nicht den Anspruch, der einzige Heilsweg zu sein; sie ist ein möglicher Weg zur Bewährung im hier und jetzt – kein Königsweg, es gibt viele andere. In der FMei gibt es keinen Erlöser, der den einzelnen Br... mit einem Heilswort aus dem Jammertal befreit, auch Versprechungen auf Trost in einem besseren Jenseits gibt die FMei nicht. Dreihundert Jahre FMei haben die Welt immer noch nicht zur besten aller möglichen Welten gemacht und auch weitere dreihundert Jahre werden die Welt nicht dazu verändern. Die FMei kann nur den Weg zeigen und Werkzeuge zur Verfügung stellen. Der Weg führt den Br... gemeinsam mit anderen Brr... in der Kette verbunden über die drei Kleinen Lichter der FMei, Weisheit, Stärke, Schönheit, erkenne Dich selbst, beherrsche Dich selbst, veredle Dich selbst. Gehen muss der Br... den Weg selber. Die Arbeit an seinem rauen Stein nimmt die FMei dem Br... nicht ab, denn sie kennt keine Sakramente, die ex opere operato den Menschen mit einem Wort seinem Ziel näher bringen (…aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund…). Die Werkzeuge sind die Symbole, diese sollen dem Br... bei der Arbeit an sich selbst helfen.

 

Das Ziel ist für den einzelnen Br... genauso eindeutig definiert wie in der Wirkung auf die gesamte Menschheit. Das Ziel ist es, ein erfülltes Leben zu führen und den einzelnen zu einem besseren Menschen (zu) machen. Diese (Menschen) Brr... sollen im Sinne echter Humanität für das Wohl der ganzen Menschheit arbeiten (Ritual der Aufnahme der GLvÖ), das heißt, …alle Verhältnisse um(zu)werfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist… (K. Marx, F. Engels: Werke, Berlin 1956, Band 1). Die Vision der Brr... FM von der besten Welt, die wir haben, ist die Vision vom Tempel der allgemeinen Menschenliebe.

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