Ich Schweinchen aus der Herde Epikurs

Mein lieber Menoikeus,

weder sollte man in jungen Jahren zögern,

sich philosophisch zu betätigen,

noch sollte man im Alter das Philosophieren als Mühe empfinden.

Denn für das, was für die Seele heilsam ist, ist niemand zu jung oder zu alt.

Wer sagt, der Zeitpunkt zum Philosophieren sei noch nicht gekommen oder bereits vorüber,

ist genauso wie einer, der sagt,

der Zeitpunkt zum Glücklichsein sei noch nicht da oder bereits vorüber.Epikur, Brief an Menoikeus

Wenn du hoffst und dich sorgst, wenn du dich fürchtest oder zornig bist,

glaube, dass dir der letzte Tag geleuchtet habe;

die Stunde, die man nicht mehr erwartet hat, wird willkommen sein.

Mich wirst du sehen, glänzend, mit gut gepflegter Haut, wenn du lachen willst,

ein Schwein aus der Herde Epikurs.[1]

Mit diesem Gedicht lädt der Dichter Horaz einen reichen Dichter von Liebeselegien und Genießer, einen gewissen Albius Tibullus, der an Sorgen zu leiden scheint, ein.

Nütze, genieße den Tag (carpe diem) ist der aufmunternde Zuspruch von Horaz im Sinne Epikurs. Sich selbst bezeichnet Horaz als Schweinchen aus der Herde Epikurs. Dahinter steht die (falsche) Annahme, Epikur habe zur unmittelbaren, insbesondere körperlichen Lust aufgerufen. Lebensgenuss und Sinnenfreude werden mit dem Namen Epikur verbunden. Das geschieht vor allem deshalb, weil Epikurs zentraler Begriff, hedoné, schwer zu übersetzen ist. Im Schulwörterbuch Gemoll finden wir zu hedoné folgende Übersetzungen und Angaben: Vergnügen, Lust, Reiz sowohl im guten Sinn von Freude, Genuss, Wohlgeschmack, wie auch im negativen Sinn von Schadenfreude, Wollust, sinnliche Begierde. Im Sinne Epikurs ist wahrscheinlich Lebensfreude die beste Übersetzung ins Deutsche.[2] Jemanden einen Hedonisten zu nennen, wird oft als Tadel verstanden, weil sein einziges Ziel darin bestehe, Lust zu gewinnen, schlimmstenfalls auf Kosten anderer. Damit wird man aber Epikur und seine Philosophie nicht gerecht.

Epikur (341 v.u.Z. in Samos – 270 v.u.Z. in Athen, ein Zeitgenosse Alexanders dem Großen) vertritt im Vergleich zu anderen Philosophen der antiken Zeit eine komplett andere Konzeption von Lust. Er betrachtet das Streben nach Glück, nach individueller Lust und Freude als das natürliche Ziel des Lebens, nicht Tapferkeit, Tugend, Ehre, Ruhm Reichtum oder Macht.

Epikurs Deutung über die Erlangung des Lebensglücks beruht auf der Annahme, dass das höchste Gut die Lust ist.[3] Epikur beschreibt das höchste Gut[4], indem er das Mittel zur Erlangung der Lust darin sieht, bescheiden zu leben und Wissen über die Welt und ihre Gesetze sowie die Grenzen des eigenen Strebens zu erwerben. Angestrebt wird ein Zustand der Unerschütterlichkeit der Seele, Ataraxie, und der Freiheit von Furcht, wie auch von körperlichen Schmerzen, genannt Aponia. Besonders betont er die Selbstgenügsamkeit, genannt Autarkie, die ein einfaches und zurückgezogenes Leben in Freiheit ermöglicht. Aus der Gesamtheit all dieser Komponenten erwächst nach Epikur das persönliche Glück, die Lust.

Der Sinn des Philosophierens liegt für Epikur in der Glückseligkeit. Die Aufgabe der Philosophie bestehe darin, die Seele von Jammer, Kummer, Verzweiflung und so weiter zu befreien. Seine Philosophie bewegt sich ganz im Sinne des praktischen Interesses der Menschen, in dem die Erkenntnis der Wahrheit keinen Wert an sich hat.

Die Glückseligkeit habe einen doppelten Sinn, so Epikur. In höchster Bedeutung sei sie der Gottheit gleichartig, die keine Steigerung zulässt... Und noch deutlicher: ich wüsste nicht, was ich mir überhaupt noch als ein Gut vorstellen kann, wenn ich mir die Lust am Essen und Trinken wegdenke, wenn ich die Liebesgenüsse verabschiede und wenn ich nicht mehr meine Freude haben soll an dem Anhören von Musik und dem Anschauen schöner Kunstgestaltungen.[5]

Für Epikur steht die Gesundheit der Seele an erster Stelle, die er als eigene Selbstgestaltung betrachtet. In seinen Ausführungen ist klar erkennbar, dass die Hauptlehren, insbesondere das Tetrapharmakon, immer wieder eingeübt und wiederholt werden müssen.

Das Tetrapharmakon, vier Heilsätze, das jeder Epikureer im Schlaf aufsagen kann, soll das Führen eines gelungenen Lebens unterstützen und so zur Praxis einer gelungenen Lebensführung beitragen.

  • Vor Gott braucht man sich nicht zu fürchten.
  • Dem Tod soll man nicht in panischer Angst gegenüberstehen. Denn der Tod bedeutet Empfindungslosigkeit.[6]
  • Das Gute ist leicht zu beschaffen.
  • Das Schlimme ist leicht zu ertragen.

Wenn also Epikur von Lust als höchstem Gut spricht, meint er die Befreiung von körperlichen und seelischen Schmerzen. Das lustvolle Leben wird nicht durch das Sich-Betrinken und anderweitigen Vergnügungen zwischen Frauen und Männern verstanden, sondern vielmehr als nüchternes Rechnen der Vernunft, das die Gründe alles Wählens und Meidens erforscht und das die Wahnvorstellungen vertreibt, derentwegen größte Aufregung die Seelen ergreift. An ihre Stelle tritt die Einsicht, die lehrt, dass ein lustvolles Leben nicht möglich ist ohne ein einsichtsvolles, schönes Leben und ein gerechtes ohne ein lustvolles Leben.[7] Demzufolge spielte nach Epikur die Einsicht, aus der alle anderen Tugenden abgeleitet werden, eine wichtige Rolle.

Zusammenleben, Gemeinschaft und Freundschaft sind für Epikur und seine Schüler wichtige Aspekte. Freundschaften sind ein Ziel in sich selbst.[8]

Von allen Gütern, die die Weisheit sich zur Glückseligkeit des ganzen Lebens zu verschaffen weiß, sei bei Weitem das größte die Fähigkeit, sich Freunde zu erwerben.[9]

Unsere Lebensspanne biete die Möglichkeit, das Leben so zu führen, wie wir es als optimal und ideal erdenken. Dafür setzt sich Epikur mit seinen Schülern in seinen Garten, kepos, und diskutiert mit seinen Schülern und Schülerinnen, eine Lebensführung, deren Ziel es ist, ein gottgefälliges Leben, ohne Angst vor den Göttern, im Glück zu führen. Seine Grundgedanken betreffen die Lust und das Freisein von Schmerz. Die Antworten sucht Epikur ausdrücklich nicht in der Götterwelt oder einer Religion, sondern in Selbstreflexion und Nachdenken über die eigenen Erfahrungen.

Der zentrale Aspekt, um eine gelungene Lebensführung zu ermöglichen, ist nach Epikur die Vernunft. Erst wenn sich die Lebensführung an der Vernunft orientiert und irrationale Bestrebungen ablehnt, kann sie als gelungen bezeichnet werden. Dabei erklärt Epikur die Vernunft als lebenspraktische Klugheit, als Betrachtung der Welt. Daher ist die vernünftige Einsicht sogar wertvoller als die Philosophie: ihr entstammen alle übrigen Tugenden, weil sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.[10]

Epikur stellt die Empfindung als Quelle der Erkenntnis noch vor die Vernunft. Im Brief an Menoikeus heißt es,

Alles Gut und Übel ist in der Empfindung. Es gibt nämlich nichts, was Empfindungen widerlegen oder sie des Irrtums verurteilen kann.[11]

Was aber stärker als die Vernunft ist, erklärt Epikur, ist das Vermögen der Sinnlichkeit, aus dem das Vermögen der Empfindung Ausgang nimmt. Das Vermögen des Empfindens erklärt Epikur als den Maßstab dafür, wann wir etwas positiv oder negativ empfinden sollen. Demnach würde die innere Unruhe eine Störung der Seelenruhe auslösen, was für Epikur das Gegenteil des höchsten Guts darstellt. Epikur bezeichnet die Lust als das höchste Gut und Ziel des Lebens, unter der Voraussetzung, diese aus der Seelenruhe (ataraxie) zu erlangen und keinerlei Furcht vor dem Tod zu haben. Infolgedessen gibt er der seelischen Lust gegenüber der sinnlichen Lust den Vortritt. Gleichzeitig wertet er aber die Sinnlichkeit und den sinnlichen Genuss nicht ab, sondern steigerte dadurch die Bedeutung der Lust. Dabei soll das Endziel der Epikureer ein Dauerzustand der Lust sein, nicht die grenzenlose Genusssucht. Für Epikur ist persönliches Glück das höchste Gut, das durch Streben nach Lust und dem Vermeiden von Schmerz erreicht werden soll. Diogenes Laertius, der im dritten nachchristlichen Jahrhundert lebte, fasst die Gedanken Epikurs so zusammen, die Epikureer definieren den Weisen als glücklich, weil er allein

Dankbarkeit gegenüber anwesenden und abwesenden Freunden empfinden und dies durch Wort und Tat zeigen… kann.

Die Merkmale des epikureischen Weisen hat Cicero in seinem philosophischen Werk, de finibus bonorum et malorum, so zusammengefasst,

…er hat seinen Begierden Grenzen gesetzt; er ist gleichgültig gegen den Tod; er hat von den unsterblichen Göttern, ohne sie zu fürchten, richtige Vorstellungen; er nimmt keinen Anstand, wenn es so besser ist, aus dem Leben zu scheiden. Mit solchen Eigenschaften ausgerüstet, befindet er sich stets im Zustand der Lust. Es gibt keinen Augenblick, wo er nicht mehr Genüsse als Schmerzen hätte.[12]

Diogenes Laertius fasst Epikurs Maximen für ein gelungenes Leben in Leitsätzen zusammen (Kyriai doxai)[13]

  • Ein gesegnetes und ewiges Wesen hat selbst keine Probleme und bringt keinem anderen Wesen Probleme; daher ist es von Bewegungen des Zorns und der Parteilichkeit befreit, denn jede solche Bewegung impliziert Schwäche.
  • Der Tod ist nichts für uns; denn der Körper hat, wenn er in seine Elemente aufgelöst wurde, kein Gefühl, und das, was kein Gefühl hat, ist nichts für uns.
  • Das Ausmaß des Vergnügens stößt bei der Beseitigung aller Schmerzen an seine Grenzen. Wenn Vergnügen vorhanden ist, gibt es, solange es nicht unterbrochen wird, weder Körper noch Geist.
  • Anhaltender Schmerz hält im Fleisch nicht lange an; im Gegenteil, wenn der Schmerz extrem ist, ist er nur in sehr kurzer Zeit vorhanden, und selbst der Grad des Schmerzes, der die Freude am Fleisch kaum überwiegt, hält nicht viele Tage zusammen an. Krankheiten von langer Dauer erlauben sogar ein Übermaß an Vergnügen über Schmerzen im Fleisch.
  • Es ist unmöglich, ein angenehmes Leben zu führen, ohne weise, gut und gerecht zu leben, und es ist unmöglich, weise und gut und gerecht zu leben, ohne angenehm zu leben. Wenn eines davon fehlt, wenn zum Beispiel der Mann nicht in der Lage ist, klug zu leben, obwohl er gut und gerecht lebt, ist es ihm unmöglich, ein angenehmes Leben zu führen.
  • Damit wir vor den Menschen ohne Furcht leben können, gab es von der Natur das System der Obrigkeit und des Königtums, mit deren Hilfe man sich Sicherheit verschaffen kann.
  • Einige Männer haben versucht, berühmt zu werden, weil sie dachten, sie würden sich so gegen ihre Mitmenschen absichern. Wenn dann das Leben solcher Personen wirklich sicher war, erreichten sie natürliches Wohl; wenn es jedoch unsicher war, hatten sie nicht das Ende erreicht, das sie ursprünglich von Natur aus angestrebt hatten.
  • Kein Vergnügen ist an sich böse, aber die Dinge, die bestimmte Vergnügen hervorrufen, bringen um ein Vielfaches größere Belästigungen mit sich als die Vergnügen selbst.
  • Wenn sich alle Lüste verdichteten und wenn sie mit der Zeit auch in der gesamten Ansammlung oder wenigstens in den hauptsächlichen Teilen der Natur vorhanden wären, dann könnten sich die einzelnen Freuden niemals voneinander unterscheiden.
  • Wenn das, was den Prassern Lust bereitet, die Ängste bei dem Gedanken an die Naturereignisse, an den Tod und die schmerzen vertreiben könnte, und wenn es somit an die Grenzen der Begierden mahnte, dann hätten wir niemals Grund, diese Menschen zu tadeln. Sie füllen sich von allen Seiten her voll mit Freuden und haben von keiner Seite her Schmerzen oder Betrübnis, die doch das Übel schlechthin sind.
  • Wenn wir nicht annähmen, dass die Naturerscheinungen und der Tod für uns eine Rolle spielen und auch nicht den Umstand in Erwägung zögen, dass wir die Grenzen der Schmerzen und Begierden nicht kennen, dann bedürften wir der Naturwissenschaften nicht. Es wäre für uns nicht möglich, uns von den angstvollen Gedanken an die höchst entscheidenden Dinge zu befreien, wenn wir von der Natur des Alls keine Kenntnis hätten, sondern annehmen müssten, es könnte doch etwas an den mythischen Geschichten sein. Daher können wir ohne Naturerkenntnis keine ungetrübte Lust genießen.
  • Es nützt gar nichts, sich vor den Menschen Sicherheit zu verschaffen, solange uns die Unwissenheit gegenüber den Vorgängen über dem Himmel und unter der Erde, wie überhaupt in der Unendlichkeit, bedrückt.
  • Wenn sich auch die Sicherheit vor den Menschen bis zu einem gewissen Grad durch Macht und Wohlhabenheit kontrollieren lässt, so ist doch jene Sicherheit die echteste, die man sich durch ein Leben in Stille und Zurückgezogenheit vor der großen Menge schafft.
  • Der Reichtum, der der Natur gemäß ist, ist begrenzt, aber leicht zu beschaffen. Der aber, nach dem törichte Menschen Verlangen tragen, geht ins Grenzenlose, und ihn zu erringen, endet als qualvolles Misslingen.
  • In das Dasein des Weisen greift der Zufall nur in geringem Umfang ein. Das Wichtigste und Hauptsächlichste hat seine Planung schon in Ordnung gebracht, hält es während der gesamten Lebenszeit in Ordnung und wird es in Ordnung halten.
  • Der gerechte Mensch erfreut sich des größten Seelenfriedens, während der Ungerechte übervoll ist von Unfrieden.
  • Sowie einmal der im Entbehren liegende Schmerz beseitigt ist, nimmt die Lust im Fleisch nicht zu, sondern wird nur mannigfaltiger. Den Gipfel der durch Erkenntnis erworbenen Lust erreicht nur, wer alle jene und verwandte Dinge, die dem Denken die größten Ängste verursachen, durch Erkenntnis von sich abgeschüttelt hat.
  • Die unbegrenzte Zeit birgt die gleiche Lust in sich wie die begrenzte Zeit, wenn wir die Grenzen der Lust durch Überlegung richtig ermittelt haben.
  • Das Fleisch setzt den unendlichen Begierden nach Lust Grenzen, und nur ein ewiges Leben könnte einem Lust zur Genüge verschaffen. Das Denken aber, das über den Zweck und die Endlichkeit des Fleisches Klarheit gewonnen und die Ängste vor der Ewigkeit beseitigt hat, verschafft das vollkommene Leben und bedarf dazu keiner unendlichen Zeit. Der intelligente Mensch flieht indes weder die Lust, noch endigt er, wenn er aus dem Leben scheiden muss, so, als habe er das höchste Lebensglück irgendwie verfehlt.
  • Wer die Grenzen des Lebens kennt, weiß, dass leicht zu erlangen ist, was den Schmerz des Entbehrens beseitigt und was das ganze Leben vollkommen macht. Daher hegt er kein Verlangen nach Dingen, die nur mit Kämpfen zu erringen sind.
  • Wir müssen unser gesetztes Lebensziel und alle offenkundigen Tatsachen, auf die wir unsere Ansichten zurückführen, fest im Auge behalten. Tun wir das nicht, dann wird alles voller Unordnung und Chaos sein.
  • Wenn du dich gegen alle Sinneswahrnehmungen auflehnst, wirst du nichts haben, worauf du dich beziehen kannst, wenn du eine von ihnen für falsch erkennst.
  • Wenn du irgendeine Sinneswahrnehmung schlechthin verwirfst und dabei unterscheidest zwischen dem, was du auf Grund deiner Vorurteile wahrnimmst, und dem, was nach Wahrnehmung und Empfindung und vorstellendem Denken zu erkennen ist, dann wirst du mit deiner verkehrten Meinung auch deine übrigen Sinneswahrnehmungen trüben und dadurch jede Möglichkeit für ein richtiges Urteil verlieren. Wenn du ferner alles, was du in deinen vorgefassten Meinungen erwartest und was noch nicht bewiesen ist, für sicher hältst, dann wirst du der Täuschung nicht entrinnen. Du wirst daher jeden Zwiespalt in der Entscheidung darüber, was richtig und was nicht richtig ist, zum Dauerzustand machen. Wenn du nicht zu jeder Zeit alles, was du tust, auf das Ziel der Natur ausrichtest, sondern ihm, sei es im Meiden, sei es im Verfolgen, eine unnatürliche Richtung gibst, dann werden deine Taten deinem vernünftigen Denken nicht entsprechen.
  • Alle Begierden, die keinen Schmerz hervorrufen, wenn sie nicht befriedigt werden, gehören nicht zu den notwendigen. Das Verlangen vergeht schnell, wenn die Begierden sich auf Abwegiges richten und ihre Erfüllung allem Anschein nach auch Schaden stiften kann.
  • Von allen Gütern, die der Weise sich zur Glückseligkeit des ganzen Lebens zu verschaffen weiß, ist bei weitem die größte Fähigkeit, sich Freunde zu erwerben.
  • Genau dieselbe Erkenntnis ist es, die uns darin tröstet, das kein Schrecknis ewig währt oder auch nur lange dauert, und uns darüber klar sein lässt, das in unseren begrenzten Verhältnissen Sicherheit hauptsächlich durch Freundschaften fest begründet ist.
  • Von den Begierden sind die einen natürlich und notwendig; die anderen natürlich und nicht notwendig; noch andere sind weder natürlich noch notwendig, entstehen vielmehr durch leeren Wahn.
  • Die Begierden, die natürlich sein mögen, aber keine Schmerzen hervorrufen, wenn sie nicht gestillt werden, bei denen aber ein drängendes Bemühen um Erfüllung bestehen bleibt, diese Begierden entspringen der Einbildung. Wenn sie nicht vergehen, so liegt das nicht etwa an ihrer eigenen Natur, sondern an der Einbildung des Menschen.
  • Die Gerechtigkeit ist ein Prinzip, das einen Nutzen im Auge hat, nämlich einander nicht zu schädigen und voneinander nicht Schaden zu erleiden.
  • Für alle Lebewesen, die keine Abmachungen darüber treffen konnten, einander nicht zu schädigen und voneinander nicht geschädigt zu werden, für alle diese gibt es keine Gerechtigkeit, auch keine Ungerechtigkeit. Das gleiche gilt auch für Völker, die weder die Möglichkeit noch den Wunsch hatten, Übereinkommen zu treffen, einander nicht Schaden zuzufügen und auch nicht voneinander geschädigt zu werden.
  • Gerechtigkeit an sich hat es vom Grundsatz her nie gegeben. Sondern bei dem gegenseitigen Verkehr der Menschen untereinander im Kleinen wie im Großen ist sie eine Abmachung darüber, einander nicht zu schädigen und voneinander keinen Schaden zu leiden.
  • Die Ungerechtigkeit ist nicht ein Übel an sich, sondern besteht nur in der Besorgnis, man könnte den Richtern nicht entgehen, die zur Bestrafung derartiger Taten bestellt sind.
  • Wer heimlich gegen die Abmachung verstößt, einander keinen Schaden zuzufügen und voneinander nicht geschädigt zu werden, der darf nicht darauf rechnen, dass er der Strafe entgeht, selbst wenn er für den Augenblick davonkommt. Denn es ist durchaus ungewiss, ob seine Tat bis zu seinem Tode im Verborgenen bleibt.
  • In einem Gemeinwesen gilt allen ein und dasselbe für gerecht, denn es bringt in der Gemeinschaft den Menschen untereinander Nutzen. Doch aus der Besonderheit eines Landes und aus allen möglichen Veranlassungen kann es sich ergeben, dass nicht alle Menschen ein und dasselbe für gerecht halten.
  • Was sich innerhalb einer Gemeinschaft in den wechselseitigen Bedürfnissen als nützlich erwiesen hat und zum Gesetz erhoben ist, das besitzt den Charakter der Gerechtigkeit, ob es nun für alle Gemeinschaften gleichermaßen gilt oder nicht. Erlässt aber jemand ein Gesetz, das dem wechselseitigen Nutzen innerhalb der Gemeinschaft nicht förderlich ist, dann ist es nicht wirklich gerecht. Falls der Nutzen, der durch ein Gesetz geschaffen wurde, ins Gegenteil umschlägt, aber zuvor einen ganze Zeit der allgemeinen Vorstellung der Menschen von Gerechtigkeit entsprochen hat, dann war dies eben für jene Zeit gerecht für all jene, die das klar erkannten.
  • Da, wo sich die gewordenen Verhältnisse nicht geändert haben, es sich aber dennoch zeigt, dass das gesetzte Recht der allgemeinen Vorstellung von seinen Wirkungen nicht entspricht, da war niemals Recht. Wo sich aber die Verhältnisse geändert haben und das bisher bestehende Recht keinen Nutzen mehr bringt, da war es so lange Recht, als es der wechselseitigen Gemeinschaft aller Staatsbürger von Nutzen war. Später aber, als es keinen Nutzen mehr brachte, war es nicht mehr recht.
  • Der Mensch wappnet sich gegen das ihn von außen Bedrohende am besten, indem er sich vertraut macht, soweit er kann. Wo ihm das nicht gelingt, sorgt er, dass sie ihm nicht wenigstens nicht fremd ist. Mit allen Dingen aber, in denen ihm auch dies versagt ist, gibt er sich gar nicht ab und kümmert sich nur am das, was ihm nützlich ist und ihn fördert.
  • All die Menschen, die sich das Vertrauen vor allem der Nachbarn zu erwerben wissen, leben miteinander das freudvollste Leben in der festesten Zuversicht. Sie genießen das Glück engster Verbundenheit und jammern nicht über den vorzeitigen Heimgang eines Gestorbenen, als ob man ihm bemitleiden müsste.

Zur Freiheit und Gesundheit des Menschen gehören für Epikur besonders die Vermeidung von Schmerz, Unlust und Leid. Dabei unterscheidet Epikur drei Quellen der Unlust, Begierde, Furcht und Schmerz. Sein Ziel ist es, den Umgang mit diesen Unglücksquellen anzuleiten. So befasst er sich mit den Fragen, was genau das Glück des einzelnen stört, was Unruhe und Angst hervorbringt.

Den Glauben beziehungsweise die Religion betrachtet Epikur als den Grund dafür, dass der Mensch Angst vor dem Tod hat. Besonders belastend sei die Angst vor dem Tod, vor großen Schmerzen beim Sterben, vor der Empfindungslosigkeit nach dem Tod und vor jenseitigen Strafen. Epikur schreibt im Brief an Menoikeus, dass

der Tod nichts für uns ist, denn Gut und Böse implizieren Empfindungen. … Das Schauererregendste aller Übel, der Tod, betrifft uns überhaupt nicht; wenn »wir« sind, ist der Tod nicht da; wenn der Tod da ist, sind »wir« nicht. Er betrifft also weder die Leben­den noch die Gestorbenen, da er ja für die einen nicht da ist, die andern aber nicht mehr für ihn da sind. Doch die Masse sieht bisweilen den Tod als das größte Übel, bisweilen ersehnt sie ihn als Erholung von allen Übeln im Leben.[14]

Die Furcht vor den Göttern beantwortet Epikur mit folgenden Argumenten. Die Götter wären glückliche Wesen, die in Zwischenwelten (Intermundia, metakosmia) lebten. Sie könnten sowohl das private als auch das öffentliche Leben nicht beeinflussen. Auch kümmerten sie sich nicht um die Menschen. Epikur strei­tet keineswegs ab, dass Götter existieren.[15]

…Götter gibt es tatsächlich,… Doch so, wie die Menge der Menschen sie sich vorstellt, sind sie nicht.[16]

Er verlegt sie in sogenannte Intermundien, leere Räume zwischen den Welten, wo sie in seliger Ruhe ihr ungetrübtes Glück genießen, unbekümmert um uns Menschen und ohne in diese Welt einzugreifen. Ihre Seligkeit ist unvereinbar mit Sorgen und Zornausbrüchen, die von den Menschen gefürchtet wer­den, denn diese entstehen aus Schwäche und Furcht. Epikur schreibt im Brief an Menoi­keus Folgendes über die Götter:

[…] wenn du die Gottheit für ein unvergängliches und glückseliges Wesen hältst, wie die all­gemeine Anschauung der Gottheit vorgeprägt wurde, dann hänge ihr nichts an, was ihrer Un­vergänglichkeit fremd oder mit ihrer Glückseligkeit unvereinbar ist. Vermute dagegen alles über sie, was ihre mit Unvergänglichkeit verbundene Glückseligkeit unversehrt zu bewahren vermag.[17]

Im Zentrum von Epikurs Lustprinzip stehen Schmerzfreiheit und seelische Ruhe. Die Lust sei ein von der Natur gegebenes Gut, denn die Menschen strebten von Natur aus nach Lust und würden Schmerz vermeiden. Im Vermeiden von Schmerz soll die Vernunft eine wesentliche Rolle spielen. Epikur postuliert das sogenannte hedonistische Kalkül, gewissermaßen ein Tauschgeschäft mit dem Schmerz.

Wir ziehen oft Schmerzen den Freuden vor, wenn wir wissen, dass für uns auf lange Schmerzenszeit eine umso größere Lust folgt.[18]

Es soll ein Weg der Mitte gegangen werden, in dem auf die augenblickliche Lust verzichtet wird, um später dadurch noch größere Lust und Freude zu erlangen. Dabei sollen die Folgen jeder Handlung zuerst dahingehend hinterfragt werden, ob sie mehr Lust oder Unlust bereiten würden. Damit schreibt Epikur dem Schmerz eine neue, positive Rolle zu.[19]

Epikur lebt nicht nur, er stirbt auch im Einklang mit seiner Lehre. Mit 70 Jahren wird er wegen Nierensteinen von unerträglichen Schmerzen geplagt. Doch diese Schmerzen würden aufgewogen durch

die Freude meines Herzens an die Unterredungen, die wir miteinander geführt haben.[20]

In der Philosophiegeschichte bietet der Begriff der Lust eine breite Angriffsfläche. Die Stoiker und das Christentum fixierten sich bei ihrer Kritik auf die übertriebene Wollust, voluptas. Als Schwein und Bahnbrecher der Gottlosigkeit wird Epikur bereits von Augustinus und Hieronymus bezeichnet. Die Anfeindungen erfolgen nicht nur aus moralischen, sondern auch aus religiösen Gründen, weil Epikur die göttliche Vorsehung, sowie Anwesenheit und Wirken Gottes in der Welt ablehnt. Viel hat sich nicht geändert. Bis heute wird die Lehre von der Lust immer wieder dazu missbraucht, um zügelloses Handeln zu rechtfertigen.

Meine Brüder, und was hat das jetzt alles mit der FMei zu tun?

Im Wissen um die Philosophie Epikurs erscheint mir die FMei wie ein im Hier und Heute angewandter Epikureismus vermehrt um kleine Einsprengsel von (Neu)platonismus und Stoia.[21] Wahrscheinlich würde sich Epikur, lebte er heute, in unserer Mitte sehr wohl fühlen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt der Philosophie Epikurs. Philosophie in diesem Sinn ist ein Nachdenken über lebensrelevante Fragen, durch das der Mensch sich selbst, sein Weltbild und sein Leben formt; Philosophie als Lebensform bedeutet, dass sie aus dem Leben des Einzelnen entsteht und sich auf dessen Leben auswirkt. Ziel ist ein psychischer Zustand, in dem aus Wissen gehandelt werden kann. Die Beziehung zum Wissen wird auf diesem Weg nie eine äußere Beziehung sein, sie muss vielmehr ein Prozess der Selbstbildung sein.

In seiner Philosophie, insbesondere in seiner Ethik, hat Epikur diese Form der Philosophie als Selbstbildung kultiviert. Epikur ist es ernst mit seiner hedonistischen Philosophie als lebenstaugliche Lebensform.

Man muss gleichzeitig lachen und philosophieren und sein Haus verwalten und alles Übrige tun, was einem vertraut ist und niemals aufhören, die Worte der wahren Philosophie hören zu lassen.[22]

Seine Ethik stellt keine Forderungen im Sinne von, du sollst, auf, sondern will die Lebenshilfe sein.[23] Eine solche Philosophie ist der Versuch, gemäß einer philosophischen Art zu leben, die sich auf die gesamte menschliche Existenz auswirkt.[24] Durch Wiederholen der Lehrsätze und laufende Auseinandersetzung mit den Ideen der Philosophie erhält der einzelne Mensch die Fähigkeit, sein individuelles Leben zu meistern und so ein erfülltes, ein glückliches Leben zu führen. Diese Idee erinnert sehr, an das, was wir mit der wöchentlichen Wiederholung des immer Gleichen in unserem Ritual tun.

Der Epikureismus ist eine materialistische Philosophie; alles, was ist, ist Körper und Leere. Über Götter und eine eventuelle Existenz nach dem Tod trifft er nahezu keine Aussagen. Allerdings leugnet er die Existenz von Göttern nicht. Was er jedoch versucht, ist den Menschen die Furcht vor Tod und Göttern zu nehmen. Auch die humanitäre FMei, wie wir sie praktizieren, beschränkt ihre Aussagen über Gott und eventuelle Existenz nach dem Tod auf das notwendigste.

Manche Brüder postulieren mit Plato die Idee eines Lichtfunkens, der in unserem Körper eingeschlossen sei und daraus befreit werden müsse. Diese Idee wäre Epikur fremd. Ebenso fremd wäre ihm die Idee, dass der Mensch unvollkommen wäre (rauer Stein) und – auf welche Art auch immer – vervollkommnet werden müsse. Für Epikur ist der einzelne Mensch, wie er ist, das Ziel ist das gute Leben des Einzelnen. Dazu gehören auch die enge Gemeinschaft und Freundschaft mit anderen Menschen; wir würden sagen die Brüderlichkeit in der Loge.

Es ist die Forderung der Stoa, dass der Einzelne seine Pflicht erfülle und nach außen, im Besonderen im Staat politisch tätig werden solle. Im Epikureismus ist es am besten, sich von den Aufregungen des politischen Lebens fernzuhalten. Lebe im Verborgenen! lautet ein epikureischer Wahlspruch. Als Gemeinschaft lehnen, wir diesen Zugang so wie der Epikureismus ab. Die Freimaurerei als Organisation betätigt sich nach unserem Verständnis nicht politisch.[25] Die einzelnen Brüder sind jedoch aufgerufen, sich nach eigener, freier Entscheidung nach außen zu betätigen.

Was auch immer die Fragen und Herausforderungen sind, die gelöst werden sollen, Epikur fordert uns zu einer rationalen Behandlung auf. Er fordert uns nicht einfach zu einem Entschluss, zu einem Glauben auf, er will nicht bloß ein Gefühl vermitteln, er stachelt uns nicht zur Gewalt an. Nichts dergleichen wird zur Lösung der Probleme eingesetzt, sondern Vernunft und Augenmaß, die Reflexion auf die Natur und auf unsere eigene menschliche Situation. Dennoch verabsolutiert er die Vernunft nicht, wie es in unserer modernen Welt gerne geschieht, sondern er ordnet sie der Sinnlichkeit unter. Von den Schlüssen der Vernunft hält Epikur nicht viel, sie sind trügerisch. Die Vernunft muss sich von der sinnlichen Wahrnehmung leiten lassen. Wir würden sagen, wir gehen die Lösung mit Weisheit Stärke und Schönheit an.

Angeblich hat Epikur seine persönliche Definition von Glück so definiert, eine Runde guter Freunde, ein kleiner Käse, eine Handvoll Oliven und seinen Garten, um darin mit seinen Freunden zu diskutieren. Findet ihr nicht auch, dass er damit das, was unsere gute L ausmacht, perfekt definiert hat?[26]

Aussprüche und Fragmente Epikurs (und seiner Schüler)

  • Jeder Schmerz ist leicht zu verwinden. Bringt er schweres Leiden, so dauert er nur kurze Zeit. Sitzt er lange zeit im Fleisch, dann ist das Leid gering.
  • Bei den meisten Menschen bewirkt Ruhe Erschlaffung, Bewegung aber Nervosität.
  • Wir sind nur ein einziges Mal geboren. Zwei Mal geboren zu werden ist nicht möglich. Eine ganze Ewigkeit hindurch werden wir nicht mehr sein dürfen. Und da schiebst du das, was Lust macht, auf, obwohl du nicht einmal Herr über das Morgen bist? Über dem Aufschieben schwindet das Leben dahin, und so mancher von uns stirbt, ohne sich jemals Muße und Lust gegönnt zu haben.
  • Nicht ein Jüngling ist glücklich zu preisen, sondern ein Greis, der als Ehrenmann gelebt hat. Denn ein junger Mensch, der noch in der Vollkraft steht, ist in seinem Denken noch ungefestigt und wird vom Geschick bald hierhin, bald dorthin getrieben. Der Greis aber hat in seinem Alter wie in einem Hafen Anker geworfen und hat nie früher erhofft Erkenntnisse mit Dankbarkeit sicher geborgen.
  • Träume besitzen keine göttliche Herkunft, auch keinen prophetischen Wert, sondern entstehen durch den Einfall von Bildern.
  • Wir können feststellen, die lange Rede hat wie die kurze dasselbe Ziel.
  • Bei üblichen Betätigungen stellt sich die Frucht mühsam ein, wenn sie zum Abschluss gekommen sind. Bei der Philosophie hält die Lust mit der Erkenntnis gleichen Schritt, denn der Genuss folgt nicht auf das Lernen, sondern lernen ist zugleich Genuss.
  • Weder sind die zu loben, die vorschnell Freundschaft schließen, noch die lange Zögernden. Um der Freundschaft willen muss man schon etwas wagen.
  • Gegen alles können wir uns Sicherheit verschaffen. Aber dem Tode gegenüber wohnen wir Menschen alle in einer Stadt ohne Schutzmauern.
  • Die Stimme des Fleisches sagt: nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren. Wem dieses Begehren erfüllt wird, und wer hoffen kann, es ständig erfüllt zu sehen, der kann sich an Glückseligkeit selbst mit Zeus messen.
  • Wir brauchen die Freunde nicht, um sie zu brauchen, sondern um die Zuversicht zu haben, dass sie für uns da sind.
  • Man soll sich nicht den Anschein geben, als treibe man Philosophie, sondern man soll wirklich philosophieren. Ebenso wenig nützt es uns nicht, uns den Anschein der Gesundheit zu geben, sondern wir müssen wirklich gesund sein.
  • Jeder geht aus dem Leben, wie wenn er eben erst geboren wäre.
  • Unsinnig ist es, von den Göttern etwas zu erbitten, was man aus eigener Kraft zu leisten vermag.
  • Der Spruch „erst am Ende eines langen Lebens bist du weise“ bedeutet Undankbarkeit gegenüber dem in der Vergangenheit empfangenen Guten.
  • Anfang und Wurzel alles Guten ist die Lust des Magens. Selbst Weisheit und alles, was noch über sie hinausgeht, hängt davon ab.
  • Ich rufe die Menschen zu dauernden Lüsten auf und nicht zu nutzlosen und sinnlosen Tugenden, deren Früchte man nur voller Ungewissheit erhoffen kann.
  • An alle Begierden soll man die Frage stellen: Was wird mir geschehen, wenn erfüllt wird, was die Begierde sucht, und was, wenn es nicht erfüllt wird.

Literatur

  • Dervisevic I., die Widerlegung der missverstandenen Ansicht des epikureischen Lustprinzips anhand des Belegs ihrer Identifikation in der postmodernen Gesellschaft, Masterarbeit, Universität Wien, 2016
  • Epikur, Philosophie der Freude, vom Lustvollen leben, Gesamtausgabe, Cloudship 2016
  • Fürpaß J., Epikur im Philosophieunterricht, fachdidaktische Annäherungen an einen Klassiker, Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz 2021
  • Holzinger R., Handbüchlein zur Philosophie Epikurs; Theorie und Praxis einer philosophischen Lebensform, BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt 2019
  • Rempel Ch. E., Epikur versus Demokrit, Christian Rempel 2013
  • Sonderegger E., Gelingendes Leben, Epikurs Weg zur Stressfreiheit, Typoskript eines Vortags im Rahmen der Vortragreihe „Modelle der Lebensführung“ an der Volkshochschule Zürich, Jänner 2016


[1] Horaz, Briefe, I, 4, 12-16

inter spem curamque, timores inter et iras

omnem crede diem tibi diluxisse supremum:

grata superveniet quae non sperabitur hora.

me pinguem et nitidum bene curata cute vises,

cum ridere voles, Epicuri de grege porcum.

[2] Ich verstehe unter Lust: keine körperlichen Schmerzen leiden und in der Seele Frieden finden. Denn nicht häufige Trinkgelage und festliches Schlemmen, auch nicht der Verkehr mit schönen Knaben und Frauen, noch der Genuss von leckeren Meeresfrüchten …, schaffen ein freudvolles Leben. Lust entsteht vielmehr aus dem nüchternen Überlegen, das die Ursachen allen Verlangens und Meidens aufspürt und den hohlen Glauben, aus dem die größte Verirrung der Seelen entspringt, austreibt. Brief an Menoikeus

[3] …behaupte ich, dass die Lust der Anfang und das Ziel des glücklichen Lebens ist. Brief an Menoikeus

[4] …sie [die Lust] habe ich als das erste und uns angeborene Gut erkannt; von ihr gehen wir aus, auf sie zählen wir…, Brief an Menoikeus

[5] Brief an Menoikeus

[6] Alles Gute und alles Schlimme beruht darauf, dass wir es empfinden können. Der Tod sorgt für den Verlust der Empfindung. Brief an Menoikeus

[7] …sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben. Denn die Tugenden sind ursprünglich verwachsen mit dem lustvollen Leben, und das lustvolle Leben ist von ihnen untrennbar. Brief an Menoikeus

[8] Und doch sagt Epikur von ihr [der Freundschaft]: von allen Dingen, die die Weisheit zum Lebensglück sich ausgedacht habe, gebe es nichts Höheres, nichts Ertragreicheres, nichts Süßeres als die Freundschaft. Und dies hat er nicht nur durch seine Rede, sondern noch weit mehr durch sein Leben, seine Handlungen bestätigt. Marcus Tullius Cicero, de finibus bonorum et malorum

[9] Epikur, Philosophie der Freude

[10] Krauz 1980: in Euringer M.: Epikur, Antike Lebensfreude in der Gegenwart; Kohlhammer, Stuttgart 2003

[11] Brief an Menoikeus

[12] Marcus Tullius Cicero, de finibus bonorum et malorum

[13] Zitiert nach Epikur, Philosophie der Freude

[14] Brief an Menoikeus

[15] Allerdings ist das Argument, mit dem Epikur die Existenz der Götter verteidigt, auffällig schwach. Er meint nämlich, dass schon der weit verbreitete Glaube an Götter für ihre Existenz spräche. Das gleiche Argument lässt er für die Existenz von Zentauren (mythologische Mischwesen aus Mensch und Pferd) nicht gelten.

[16] Brief an Menoikeus

[17] Brief an Menoikeus

[18] Brief an Menoikeus

[19] …gleichermaßen ist jeder Schmerz wohl ein Übel, aber nicht jedem Schmerz muss man ausweichen. Es ist demnach unsere Aufgabe, alles Zuträgliche und Abträgliche richtig zu unterscheiden, gegeneinander abzuwiegen und danach zu beurteilen. Zu gewissen Zeiten bedienen wir uns des Guten wie eines Übels und wiederum des Übels wie eines Gutes. Brief an Menoikeus

[20] Epikur, Philosophie der Freude

[21] Cf.: Br... F. C. Bauer: die FMei ist ein epikureischer Kreis mit platonischen und stoischen Einsprengseln, Antwort auf den Toast auf die GLvÖ, 25.01.2025

[22] Epikureische Spruchsammlung 41

[23] Leeres Geschwätz ist die Rede jener Philosophen, durch die keine menschliche Leidenschaft geheilt wird. Wie wir einer Heilkunst nicht bedürfen, die es nicht vermag, Krankheiten aus dem Körper zu vertreiben, bedürfen wir auch einer Philosophie nicht, die nicht das Leiden der Seele heilt. Epikur, Philosophie der Freude

[24] Also muss man das trainieren, was einem den Zustand er Glückseligkeit (eudaimonia) verschafft – ob wir nun alles haben, weil sie da ist, oder ob wir alles tun, um sie zu erreichen, weil sie nicht da ist. Was ich dir immer und immer wieder geraten habe, das setze in die Tat um und übe es. Du verstehst ja, dass es die Grundlage eines schönen Lebens ist. Brief an Menoikeus

[25] Die Bruderschaft der Freimaurer ist … keine politische Vereinigung, Ritual der Rezeption, GLvÖ 2021

[26] Freimaurerei ist laut denken mit dem Freunde. Br... Gotthold Ephraim Lessing

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