Schönheit vollende den Bau

„Schönheit vollende ihn, den Bau“ – unzählige Male haben wir diesen Spruch aus dem Mund des Br... 2. Aufseher beim Entzünden der kleinen Lichter gehört. Es ist ein großer Anspruch, den der Br... 2. Aufseher da stellt; es geht um Schönheit, Vollendung und unseren Bau.

Wenn etwas schön ist, so ist das ein Werturteil, das von Wertvorstellungen und Bewertungszielen abhängig ist, die wiederum von gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt sind. Kant definiert Schönheit als Gegenstand einer bestimmten Tätigkeit der Urteilskraft. Für Kant beruhen alle ästhetischen Urteile auf privaten, subjektiven Empfindungen des Gefallen oder des Missfallens, der Lust oder der Unlust. Auch wenn ästhetische Urteile subjektiv sind, so erheben sie doch Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Im Gegensatz zum Guten und Angenehmen ist das Urteil über das Schöne das einzige, welches das persönliche Interesse am Gegenstand nicht berücksichtigt; daher definiert Kant Schönheit als „interesseloses Wohlgefallen“.

Vollendet ist der Bau dann, wenn er zum Vollen gekommen ist, die Vollkommenheit erreicht hat – das heißt nicht mehr zu verbessern ist. Der vollendete Zustand ist ein Maximum des real Erreichbaren, ein Ideal. Bei Kant ist Vollkommenheit die Vollständigkeit als Zusammentreffen aller möglichen Bestimmungen eines Gegenstandes zu einer harmonischen Einheit. Vollendet ist der Bau dann, wenn kein Teil mehr fehlt. Vollendet und vollkommen bedeutet gleichzeitig auch, dass keine weitere Entwicklung mehr möglich ist. Prinzipiell lässt sich in unserer realen Welt zu allem eine Ergänzung oder Erweiterung finden; vollkommene Sachverhalte sind im Endlichen entweder Abstraktion oder im Unendlichen göttlich. Somit wird für uns Menschen die Vollkommenheit ein anzustrebendes Ideal.

Wir Brr... FM bauen mit uns Menschen als Bausteinen immer weiter am Weisheitstempel. Das Ritual setzt voraus, dass der Tempel der allgemeinen Menschenliebe immer noch im Bau und kein fertiges Gebäude ist. Dieser Bau soll mit dem Mittel der Schönheit vollkommen werden. Es liegt an uns, die gesellschaftlichen Konventionen so zu prägen, dass der Tempel der allgemeinen Menschenliebe nicht nur das Wohlgefallen der Brr... FM erregt, sondern allgemeines, interesseloses Wohlgefallen. Unser Auftrag lautet, bei uns selbst anzufangen und unseren eigenen, rauen Stein zu behauen, denn Selbstveredelung sei der erste Schritt zur Schönheit seines Menschentums. Behauene Steine passen harmonisch in die Mauer des Weisheitstempels. Jeder einzelne Bruder, jede einzelne Schwester kann der Stein sein, der benötigt wird um den Bau voll zu machen. Die Menschen des Mittelalters haben die Kathedralen und Dome nie fertig sondern immer als Baustelle erlebt; und auch heute noch sind die Kathedralen und Dome immer währende Baustellen. So bleibt wohl unser Tempel der allgemeinen Menschenliebe eine ewige Baustelle, ein Ideal, das wir zu erreichen versuchen müssen. Denn auch die letzte Schönheit entsteht – wie der 2. Aufseher in der Trauerloge sagt – erst im Abglanz des ewigen Lichtes.

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