In Ordnung meine Brüder!

Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich zu sehen, wie die Brr..., alle Brr..., ganz gleich ob Lehrling oder Geselle, Meister oder Pastmaster, Ehrenmeister oder Großbeamter, alt oder jung, aufstehen und ins Zeichen treten, wenn der MvSt mit Hammerschlag die Brr... in Ordnung ruft.

Ich denke es gibt kaum eine Gemeinschaft, in der so unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die gleichzeitig so große Individualisten sind, deren Streben nach Freiheit mit einer der wesentlichen Gründe war diesem Bund anzugehören. Das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung macht den Br... FM geradezu aus. Und dennoch unterwerfen wir uns alle freiwillig der maurerischen Ordnung, die uns an so vielen Stellen des Logenlebens begegnet, wobei ich mit Ordnung mehr als die Konstitution, das Hausgesetz meine, die beide als Nachfolger der alten Bauhüttenordnungen gelten können. Es mag als großes Paradoxon der FMei gelten, dass freie Männer sich freiwillig einer strengen Ordnung unterordnen.

Wir unterwerfen uns der Ordnung des Rituals. Der Eintritt in den Tempel erfolgt nach strengen Regeln, zuerst die Brr... LL, hernach die Brr... GG, zuletzt die Brr... MM. Jeder weist sich, obwohl mit dem Br... TH durchaus persönlich bekannt, mit dem Passwort des Grades als Br... aus. Die Lehrlinge haben ihre Plätze in der Nordkolonne, die Gesellen ihren in der Südkolonne. Jede Bewegung im Tempel erfolgt im Zeichen im Sonnenlauf, eben unter der Ordnung der Sonne. Die Brr... erbitten die Wörter bei den AA ihrer Kolonnen. Nur so kann das Ritual seine Aufgabe, den Brr... bei der Selbstveredelung zu helfen, erfüllen. Dadurch dass uns das Ritual deutliche Grenzen setzt und wir vom Ritual wie in einer Model geprägt werden, kann das Ritual in uns eindringen und so unser Denken verändern.

Besonders streng sind die Regeln beim brüderlichen Gespräch an der WT. Unabhängig von Lauf und Inhalt des Gesprächs erhalten die Brr... strikt nach der Rednerliste die Wörter. Wortmeldungen außerhalb der Rednerliste sind genauso verboten wie Rede und Gegenrede. Wer noch etwas zu sagen hat, ganz gleich ob neuer Gedanke oder Einwand, muss sich ein zweites Mal zu Wort melden.

Die maurerische Ordnung ist – so scheint mir – wesentlich für das Funktionieren einer Loge und die Wirksamkeit der FMei. Die Ordnung, die wir uns auferlegen, bringt den Einzelnen dazu, sich mit seinem Selbst in Abgrenzung zur Ordnung auseinanderzusetzen und daran zu arbeiten, nicht von den straffen Regeln der maurerischen Ordnung erdrückt zu werden. Andererseits zwingt die freiwillige Unterwerfung unter die Regeln der maurerischen Ordnung Brr... mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein dazu, Raum für solche Brr... zu geben, die sonst an den Rand gedrängt werden würden. Die maurerische Ordnung verhilft also dazu, dass sich die Brr... im rituellen Raum als Gleiche unter Gleichen begegnen können, sie ist also die praktische Anwendung der Lotwaage oder Wasserwaage, des Zeichens der Gleichheit unter den Brr... Damit ebnet die maurerische Ordnung den Bauplatz und schafft so Raum für maurerische Begegnung und die Arbeit am rauen Stein.

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