In der Drei schließt sich die Eins, die Einheit, die aus sich heraus tritt und so zur Polarität zur Zwei wird, in neuer Natur wieder zusammen. Mit der Drei wird der Polarität der Zwei eine Mitte gegeben. Nach der Lehre der Pythagoräer ist die Drei die erste Zahl, die Anfang, Mitte und Ende hat. Und Laotse sagt: „das Tao erzeugt die Einheit, die Einheit erzeugt die Zweiheit, die Zweiheit erzeugt die Dreiheit – die Dreiheit erzeugt alle Dinge“. Deshalb ist auch die erste geometrische Figur das Dreieck.
Pythagoras deutet das Dreieck als Anfang der Entstehung im kosmischen Sinne, weil sich aus ihm geometrische Formen bilden lassen, Vierecke und Sechssterne. Das aufsteigende Dreieck steht nach Freud für das männliche Prinzip, das absteigende Dreieck oder Delta wird schon bei steinzeitlichen Frauenfiguren als weibliches Geschlechtszeichen verwendet. Einander durchdringend ergeben das aufsteigende und das absteigende Dreieck das Siegel Salomos, das Hexagramm, in der Alchemie Symbol für die Verschränkung von Makro- und Mikrokosmos.
Wir erfahren die Dreiheit in der Natur, auch aus Sage, Dichtung, Mythos und Philosophie ist sie uns bekannt. Wir leben mit Wasser, Erde und Luft, es gibt drei Aggregatzustände fest- flüssig – gasförmig. Die Vorstellung von drei Welten, die wir in der Einteilung von Himmel, Erde und Unterwelt – Zeus, Poseidon, Hades – in vielen Mythen finden, symbolisiert der Salomonische Tempel mit seinen drei Räumen – Hulam, Hekal, Debir, in der FM – Saal der verlorenen Schritte, Loge, mittlere Kammer. Wir erfahren das Leben als Anfang – Mitte – Ende, bzw. Geburt – Leben -Tod, abstrahiert in Werden – Sein – Vergehen. Ein vollkommenes Ganzes entsteht aus These – Antithese – Synthese.
In der Religionsgeschichte finden wir viele dreifache, dreifaltige Gottheiten, und dabei müssen wir gar nicht erst an die Dreifaltigkeit des Christentums denken, in Babylon die astrale Dreiheit Sin (Mond), Schamasch (Sonne), Ischtar (Venus); Maria erscheint in dreifacher Gestalt als Jungfrau – Mutter – Königin, in Indien Brahma (Schöpfer), Schiva (Zerstörer), Vischnu (Erhalter), in den ägyptischen Mysterienreligionen Isis – Osiris –Horus, der Erlöser. In der Philosophie wird die Drei häufig als Einteilungszahl verwendet, Körper – Geist – Seele, die Kategorien des Augustinus Sein – Erkennen – Wollen sind allgemein akzeptiert, und Platons Ideal des Wahren, Guten und Schönen hat Eingang in unser Ritual gefunden.
Die Drei ist gewissermaßen die freimaurerische Zahl schlechthin. In der St.-Johannis-Freimaurerei gibt es drei Grade, Lehrling, Geselle, Meister. Wir werden auch spöttisch 3-Punkt-Brüder genannt, weil wir als Abkürzungszeichen drei Punkte im Dreieck setzen.
Das symbolische Alter des Lehrlings ist drei Jahre. Durch drei starke, schnelle Schläge erhält der Suchende bei der Rezeption Einlass in den Tempel, drei Reisen führen ihn zum Licht. Nach drei Schlägen mit dem Hammer auf die Brust des Suchenden, haucht der MvSt dem L... mit den drei Bruderküssen spirituelles Leben ein – Geist, Erkenntnis, neues Leben. Drei Säulen tragen die L..., Weisheit, Stärke, Schönheit und drei Lichter beleuchten sie, Bibel, Winkelmaß und Zirkel. Im dreifachen Schritt ersteigen wir symbolisch die drei Stufen in den Osten, die Stufen zum Tempel hinauf. In drei Schritten sollen das Ziel der FM, die Selbstveredelung erreichen – erkenne dich selbst, veredle dich selbst, beherrsche dich selbst. Drei hammerführende Brr... regieren die L..., MvSt, 1A, 2A.
In der Anordnung der Sitzplätze in unseren Tempeln wird auf die symbolische Bedeutung der Dreizahl hingewiesen. Die beiden Kolonnen der Brüder stellen symbolisch die Polarität der Zweizahl dar. Der erhöhte Platz des MvSt im Osten vor der Sonne weist auf die Eins, die Einheit, das Ziel, hin. Gemeinsam mit den beiden Aufsehern im Westen wandelt der MvSt die Unvollkommenheit der Zwei zur Vollkommenheit der Drei um; die drei hammerführenden Beamten bilden ein Dreieck, einen nach Westen offenen Winkel, einen nach Westen offenen Zirkel. Eingeschrieben in diesen Zirkel ist ein rechter Winkel, gebildet aus den drei kleinen Lichtern. Die Silhouette einer Pyramide schimmert auf. Ihre Basis, ein Viereck, ruht im Irdischen; ihre Silhouette, ihre sichtbare Seite, ist jedoch von überall ein Dreieck. Die Pyramide ist also ein Wegweiser in die Transzendenz. Im Inneren dieser Pyramide zeigt sich jedoch keine Grabkammer sondern der rechte Winkel des Osiris. Und so begleitet den Br... FM ein Dreieck, eine Pyramide aus Rosen auf seinem letzten Weg.